Leserbriefe

Man muss genaue Vergleiche ziehen

11.12.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Leserbrief „Westdeutschland hat von den USA profitiert“ vom 4. Dezember. Wenn man das Verhalten von USA (NATO) und EU in der Außen- und Sicherheitspolitik in der derzeitigen Ukraine-Krise betrachtet, fühlt sich der Kundige unwillkürlich an den Grafen von Lichnowsky erinnert. Der war 1914 Botschafter in London und hatte die Reichsregierung nachdrücklich aufgefordert alles zu tun, einen Weltkrieg (!) zu vermeiden. Zurück in Deutschland verfasste er 1915 ein Memorandum, in dem er sich über das Verhalten der Regierung während der Julikrise äußerte. Sinngemäß meinte er, dass in der Reichsregierung entweder lauter Narren gesessen hätten, die nicht wussten was sie taten, oder sie habe den großen Krieg billigend in Kauf genommen. Wie die Bilder sich gleichen.

Wenn Herr Bone behauptet, alle Länder (besser: deren Regierungen) würden eigene Interessen verfolgen, so hat er recht. Leider vergisst er zu erwähnen, dass die Interessen verschiedener Länder auch verschieden sein und einander widersprechen können. In solchen Fällen müssen beide Seiten einen tragfähigen Kompromiss suchen. Bei NATO und EU sehe ich derzeit nicht den Schatten irgendwelcher Bemühungen. Man stelle sich einmal das umgekehrte Szenario vor. Die Provinz Quebec sagt sich von Kanada los (Bestrebungen dazu gibt es immer wieder) und schließt mit Russland ein Wirtschafts- und Militärabkommen. Das würden die USA sofort als Kriegserklärung auffassen und entsprechend handeln.

Wenn sie das umgekehrt mit vielen früheren Ostblockstaaten und jetzt mit der Ukraine machen, ist das aber in Ordnung. Toll! Was die USA tatsächlich von den Menschenrechten halten, zeigt nicht nur das KZ Guantanamo. Ausgerechnet auf Kuba. Herrn Bone sei erneut anempfohlen, mal einen Blick auf die Außenpolitik der USA der letzten 200 Jahre zu werfen. Zuvor möge er jedoch die US-rosarote Brille absetzen, das klärt den Blick ungemein. Da gibt es noch einen zweiten Wahlspruch zu entdecken: „Und bist du nicht willig, so gebrauch’ ich Gewalt.“ Da hat Goethe wohl bei den Römern abgekupfert. Herr Bone würde dann auch die Absurdität der Behauptung entdecken, die USA hätten noch nie Länder unterworfen und sich angeeignet. Gerne wäre ich bereit, ihm mit einer überprüfbaren Stichwortliste hilfreich zur Seite zu stehen.

Leserbriefe

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