Leserbriefe

Lotteriespiel an der Urne

19.11.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Trump plant Regierung des großen Wandels“ vom 11. November. Ob Trump oder Rechtstrampelnde anderer Staaten, die sich zur Staatslenkung berufen fühlen, sie sind nicht das Problem, nur Wundmerkmale, allerdings mit Multiplikationseffekt. Ein fehllaufender Kapitalismus markiert inzwischen Reaktionäre, welche die Fehlbesetzung einer gewinnorientierten Gesellschaft sind, mit gefühlter beziehungsweise geduldeter Abseitsprägung. Es macht wenig Sinn an Grundgesetztreue zu appellieren oder Rechtsorientierung zu verteufeln – es sind keine Lösungsansätze. Staaten versagen mit ihrem Glauben an den Nutzen einer überliberalen und damit unseriösen Marktwirtschaft – bei deren Folgen von Ungleichheiten, von Provokationen.

Dem Sozialismus kostete der Staat sein Volk. Der weltweit mehr oder weniger skandalös geführten Wirtschaftsordnung wird das parasitäre Nehmen vieler den Freibrief, vielleicht die Lizenz kosten. Durchschnittsbürgerliche Freisetzungen über abgeschaffte oder technisch vergebene Arbeitsleistungen, ein Lohndumping, Zeitverträge, Arbeits-(Menschen-)handel (ohne befähigte Alternativen) und die darauf basierenden Identitätsprobleme, letztlich der wirtschaftliche Abstieg bei Verlust von Zukunftsvertrauen sind bewegende Gründe für die Lotteriebereitschaft von Menschen beim Urnengang. Siehe amerikanisches „Vorbild“. Wer nicht gegenlenkt, wird sich auch in Europa in einer rechtlich anderen Umgebung wiederfinden.

Wir erleben täglich das Credo elitär geführter Zukunft. Es kann nicht sein, dass ein sogenannter Fortschritt einen deutlichen Teil der Bürger nicht mitnimmt. Diese in unserer Weise orientierten Gesellschaften, deren Befriedigungen sich dann vorgabegetreu am Einkauf, am Vergnügungspotenzial erfüllen müssen, haben bereits die Gravitation einer Dekadenz, die zerstört. Und ich bin geneigt zu sagen, Letzteres ist gut so – wäre dabei nicht Gewaltbereitschaft in Aussicht. Es stellt sich daher die Kernfrage, zu welchen primitiven oder positiven Zielen eine Gesellschaft sich verpflichtet beziehungsweise aufbrechen will: Fressen oder eine lebenswerte Moral – ein befriedender Lebensraum für die meisten.

Zurzeit kommt es mir fast vor, als ob Menschen sich auf Umwegen nach Grenzen ihrer eigenen Fehlentwicklung sehnen, motiviert wie zur Hippiebewegung in den Sechzigern, nur hilfloser und gefährlich. Interessant dazu ist unsere deutsche Bereitschaftserklärung, kirchlich geprägte Personen wie Gauck oder Margot Käßmann an die Staatsspitze zu stellen. Was ich persönlich, unabhängig von der jeweiligen Persönlichkeit, für nicht angebracht halte – da Religion eine gesellschaftliche Handhabe ist, aber keine sich daraus ergebende immer einseitig Besitz ergreifende politische Intension im Staat sein darf.

Leserbriefe

Eltern sorgen sich um die Gebühren

Katja Müller-Spieth, Nürtingen. Zum Artikel „Neues Kinderhaus im Martin-Luther-Hof“ vom 24. November. Es ist erfreulich, dass die Stadt Nürtingen ihre Zurückhaltung gegenüber freien Trägern im Bereich der Kinderbetreuung öffnet. Dies bietet Familien neue Alternativen zu den bisherigen…

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