Leserbriefe

Literaturarchiv taugt nicht zum Kronzeugen

11.10.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Kommentar „Eine letzte Chance“ vom 8. Oktober. Andreas Warausch hat recht: Das Hölderlinhaus gehört endlich saniert. Nicht nur als Gedenkstätte, sondern als Präsentationszentrum. Es sieht aber so aus, als ob der Spieß rumgedreht ist und der Bock Gärtner werden will. Es war nämlich dieselbe Verwaltung, die vor zehn Jahren das Haus plattmachen wollte. Der Bürgerprotest führte zur Gründung des Vereins Hölderlin-Nürtingen. Die wild entschlossene Stadtverwaltung und ein verblüffter Gemeinderat mussten sich von einem auswärtigen Bauhistoriker sagen lassen, dass sie dabei waren, Deutschlands einziges und letztes Hölderlingebäude der Spitzhacke zu opfern.

Man darf und muss dazulernen. Man sollte sich aber nicht vom Saulus zum Paulus wandeln, um jene anzuprangern, die überhaupt erst dafür gesorgt haben, dass das Gebäude unangetastet geblieben ist. In diesem Rathaus und in diesem Gemeinderat sind die Leute in überschaubarer Unterzahl, die tatsächlich Ahnung von Hölderlin haben. Der Mehrheit der so inflationär als „Hölderlinstädter“ bezeichneten Nürtinger ist es nämlich wurscht, dass diese „Hölderlinstadt“ und genau dieses Haus für das Schaffen des größten deutschen Lyrikers von solitärer Bedeutung ist, samt seinem nahen Umfeld bis zu Kirche und Marktstraße und hinunter bis zum Neckar. Der größere Teil von Hölderlins Dichtung ist hier entstanden! Die reale und emotionale Heimat Hölderlins ist weder Lauffen noch Tübingen, nicht Frankfurt noch Homburg, sondern Nürtingen.

Tatsächlich geht und ging es der Stadt weniger um dieses Vermächtnis, sondern um die Zukunft von Volkshochschule und Musikschule. Und dazu glaubt sie, das Dach aufstocken zu müssen. Habe ich auch mal geglaubt, aber den Zahlen der Stadt traue ich schon lange nicht mehr. Und das Marbacher Literaturarchiv taugt nicht zum Kronzeugen: Dort befürwortet man eine Gedenkstätte, nicht die Dachaufstockung. Ein halbes Jahr nach dem Offenbarungseid zum Haushalt 2016 jongliert man jetzt wieder mit Millionen. Man schafft sich aber kein Denkmal, wenn man ein viel größeres zurechtfrisiert und ihm die Narrenkappe aufsetzt.

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Die Stomleitung in den Boden verlegen

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Wohnungsbau im Gewann Wasserfall“ vom 13. Juli. „Zur Hochspannungsleitung halten wir dabei gebührend Abstand“, meint Stadtplanerin Schreiber bei der Vorstellung der Wohnbaupläne am Schelmenwasen. Diese Maßeinheit bedarf einer Präzisierung: Was ist…

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