Leserbriefe

Kritik aus dem Roßdorf

02.07.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Kommentar „Das wahre Gesicht“ vom 30. Juni. Matthäus Klemke, jung und Kenner der Sorgen von Flüchtlingen und Vertriebenen, meint den Lesern die Augen öffnen zu können: Die Ängste der Roßdorfer sind getarnter Rassismus. Nebenbei verwechselt er Aussiedler mit Flüchtlingen.

Vom Roßdorf weiß der Redakteur in spe leider wenig mehr als das, was er in Fachkreisen so hört: die Ablehnung der Nanzwiesen-Bebauung sei Besitzdenken und getarnte Fremdenfeindlichkeit der Nanzwiesler. Derart munitioniert, verschießt Herr Klemke eine Breitseite nach der anderen. Als Welterklärer ist er aber nicht nur unter seinesgleichen in bester Gesellschaft. Auch im Rathaus denkt man wie er, und unterm Dach knallen die Sektkorken.

Nochmals, zum Mitschreiben: Es gibt im Roßdorf nicht mehr Fremdenfeindlichkeit als in anderen Stadtteilen und Städten. Zwölf geflüchtete Familien wohnen bereits hier. Die mir nächste nur fünf Meter entfernt von meinem Schreibtisch. Abgelehnt wird nicht der Zuzug, sondern der strittige Standort einer Container-Insel.

Herr Klemke ist großzügig, steckt nicht „alle Roßdorfer in einen Sack“. Er reißt uns jedoch die Maske der Heuchler vom Gesicht. „Das wahre Gesicht“ eines Stadtteils, so titelt er. Hier hüten fremdenfeindliche Egoisten „ihr vermeintliches Roßdorf-Idyll“ als Insel der Unseligen wie Kleingärtner ihre Parzelle.

Im Gegensatz zu Herrn Klemke sind erfahrene Journalisten seriös, sich nicht zu schade für Recherchen, Vor-Ort-Gespräche und persönlichen Augenschein. Zwei unter ihnen waren tagelang mit Fotografen im Roßdorf, haben alles angeschaut und mit zig Menschen geredet.

Klemke hingegen wird erstmalig ins Roßdorf beordert, kommt mit Tunnelblick, hört nur das, was er hören will. Und kriegt nicht mal mit, wie viele Etagen der Containerbau haben soll. Das führt dann auch zu einer Richtigstellung durch die Stadtverwaltung, direkt unter seinem großspurigen Kommentar. Dem Lehrling ins Stammbuch: „Was siehst du aber das Brett vor deines Bruders Kopf, und wirst nicht gewahr des Bretterverschlags um dich her?“ (Matthäus 7, 3).

Anmerkung der Redaktion: Wir bringen diesen Leserbrief im Originaltext. Ohne jede Änderung. Somit kann sich jeder selbst ein Bild machen. Matthäus Klemke war selbst bei der Veranstaltung vor Ort (im Gegensatz zu anderen) und hat seine Eindrücke in seinem Artikel sachlich geschildert und dann in einem Kommentar bewertet. Das ist sein gutes Recht, hinter dem die ganze Redaktion steht. Wir verwahren uns dagegen, ihn als jung und unerfahren anzuprangern. Der Kommentar wurde von Jürgen Gerrmann und Andreas Warausch gegengelesen – macht insgesamt 58 Jahre Berufserfahrung. Und unsere Zeitung berichtet über das Roßdorf, seit es diesen Stadtteil gibt. Wir haben seit vier Jahrzehnten unzählige Reportagen veröffentlicht, die sorgfältig recherchiert waren.

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