Leserbriefe

Krise und deren Wahrscheinlichkeit

22.08.2013, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Joachim Lewinsky, NT-Zizishausen. Zum Artikel „Geschäft mit der Krisenangst“ vom 17. August. Man kann berechnen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass in einem Raum mit einer bestimmten Anzahl von Personen mindestens zwei davon am gleichen Tag Geburtstag haben. Man kann auch annähernd berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es morgen regnet. In Prozent versteht sich. Aber kann man tatsächlich berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit gemessen in Prozent der Euro auseinander bricht? Das behauptet wenigstens der Chefökonom der Landesbank Baden-Württemberg – dies seien 15 Prozent.

Ich bin verwundert, dass solche Äußerungen so wichtig genommen werden und gleich ihren Niederschlag im Hauptartikel auf der Titelseite finden. Gut gemeint ist das sicher. Man möchte auf eine bestimmte Art und Weise gegensteuern. Aber ist das wirklich der Fall? Es ist sicher besser, Fakten der Wirklichkeit darzulegen und sachlich aufzuklären. Jedoch mit der sachlichen Aufklärung tut man sich schwer. Ein Schlagwort, das treffen und manchmal schockieren soll, ist für die Presse doch ein gefundenes Fressen – das zieht sich quer durch die ganze Medienlandschaft. Wenn im gleichen Artikel auch davon informiert wird, dass immer mehr Läden die Bürger aufrufen, sich für den Fall des Euro-Zusammenbruchs mit Nahrung und Waffen einzudecken, um sich für Nahrungsmittelengpässe und Plünderungen zu rüsten, dann ist das wohl eine Beobachtung irgendwo, deren Weiterverbreitung jedoch nur Schaden anrichten kann statt hilfreich zu sein.

Natürlich kann sich der Leser selbst ein Bild machen, aber die Sensibilität solcher Hinweise sitzt tief und es liegt auf der Hand, dass unser Hirn das nicht ganz einfach beiseite schiebt, sondern immer wieder oder irgendwann einmal wieder zum Vorschein bringt. Wenn eine Krise ausbricht, dann ist es ohnehin zu spät. Wenn eine Krise kurz bevorsteht, dann ist sie meist nicht mehr zu verhindern. Wenn sich aber eine Krise andeutet, dann ist es angebracht, gegenzusteuern und das geht alle an, die Politik, die Wirtschaft und jeden Einzelnen von uns.

Wenn ich von jedem Einzelnen spreche, dann weiß ich sehr wohl, dass die Wirkung eines kleinen Schräubchens im Getriebe nur wenig ausrichten kann, aber es kann sehr viel anrichten, wenn es sich auf Panikmache aufsetzt und weiter verbreitet. Mein Aufruf mit diesen Worten ist an die Presse gerichtet mit der Bitte, doch mehr ausgewogen über das zu informieren, was wirklich wichtig und hilfreich ist.

Leserbriefe

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