Leserbriefe

Kretschmann digital im Silicon Valley

27.09.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Kretschmann sinniert über seine Zukunft“ vom 20. September. Bei seiner erneuten Reise ins Silicon Valley in Kalifornien gewann der Ministerpräsident Kretschmann die Erkenntnis (Zitat): „Wenn es überhaupt einen Grund gibt, dass ich noch mal antrete, dann den, die Landesverwaltung umzubauen, denn die ist auf diese Revolution nicht vorbereitet“. Also braucht Baden-Württembergs Landesverwaltung tatsächlich den grünen Winfried Kretschmann im gereiften Landesvater-Alter von jetzt schon 70 Jahren, um einen digitalen Umbau zu schaffen? Gibt es etwa keine jüngeren Menschen im Musterländle Baden-Württemberg, die mehr digitale Fähigkeiten erworben haben als Winfried Kretschmann nach nur wenigen Stunden im Silicon Valley?

Digitale Spitzenkenntnisse sind offenbar nicht ungewöhnlich für Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg. Auch der ehemalige MP Günther Oettinger zählt dazu, der schon 2010 von Kanzlerin Merkel „gemaßregelt“ und abgeschoben wurde in die sichere Bleibestadt Brüssel, wo er auch als hochbezahlter „EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft“ seine begrenzten Fähigkeiten ausleben konnte. Der sowieso schon schwarz-grüne Kretschmann könnte nach seinen digitalen Studienreisen ins Silicon Valley sicherlich auch den CDU-Oettinger in Brüssel ablösen.

Aber warum sollte der Alt-Landesvater Winfried Kretschmann nicht spätestens 2021 in den verdienten Ruhestand gehen und den Politikwechsel in Deutschland genießen? Damit würde er den Weg frei machen für eine Erneuerung bei den Grünen und die angebliche „personelle Alternativlosigkeit“ beenden. Sonst können die Grünen ihre zurzeit erstaunlich guten Umfrage-Werte nicht mit der nötigen Rückbesinnung auf die ursprünglichen „Werte der Grünen“ untermauern und mit geeigneten, jungen Menschen den erforderlichen Politikwechsel in ganz Deutschland herbeiführen, gemeinsam mit den ebenfalls innerlich erneuerten Parteien SPD und Linke.

Übrigens: Kein Wert in Grün ist auch der Kretschmann-Spruch aus 2014: „Mehrheit zählt – nicht Wahrheit“. Damit hat er seine unbegreifliche Kehrtwendung bei „Stuttgart 21“ begründen wollen von einem wahrhaften S21-Gegner – was ihm auch den Wahlsieg beschert hat – zu einem bedenkenlosen S21-Förderer – wie es auch der Ex-MP Günther Oettinger war. Jetzt hat auch Kretschmann die S21-Wahrheit eingeholt: „Augen zu und durch“ geht nicht mehr.

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