Leserbriefe

Kommentare im sozialen Netzwerk

09.08.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Leserbrief „Die Diskussionskultur in den sozialen Medien“ vom 28. Juli. Vor sieben Jahren hat mich der OB-Kandidat Sebastian Kurz angezeigt, weil ich angeblich in Facebook den Holocaust geleugnet habe. Die Staatsanwaltschaft hat ein halbes Jahr gebraucht, bis sie diesen Hirnriss niedergeschlagen hat. Vier Jahre später hat man im Gemeinderat ein Kesseltreiben gegen mich veranstaltet, gestartet vom Fraktionschef der CDU (Kurzprotokoll vom 23. Juni 2015, Paragraf 79), ungebremst durch den Vorsitzenden, der dazu verpflichtet gewesen wäre, weil ich nicht anwesend war. Mir wurde unterstellt, ich hätte fremdenfeindliche Roßdorfer („eine braune Suppe“) gegen den Gemeinderat mobilisiert und stünde möglicherweise im Zusammenhang mit geplanten Naziaufmärschen zur BA-Sitzung eine Woche davor. Der OB hat mich deswegen bei meinem Fraktionsvorsitzenden und bei der Polizei angeschwärzt. Für mich Grund genug, mich aus diesem Gemeinderat zu verabschieden.

Heute nun kommt derselbe Stadtrat daher, mittlerweile Professor, liest mir Kolleg in Sachen Wortbedeutungen und unterstellt mir den Gebrauch von Nazivokabular. Das kann ich noch ablegen unter „Nachholbedarf“. Dass er aber seine Weisheiten auf Kommentare in meiner Nürtinger Facebook-Gruppe bezieht, das stört mich doch. Denn diese Gruppe ist eine sogenannte „geschlossene“. Das heißt, nur Mitglieder können lesen und kommentieren. Andere Facebook-Mitglieder sehen nichts. Ist es nur frech, gerade diese Gruppe, die für einen lebendigen Diskurs steht, die nachweislich und beispielhaft nicht unter Schwund an Debattenkultur leidet, schlechtzuschreiben, nur um dem OB nach dem Mund zu reden, dem die Gruppe ebenfalls ein Dorn im Auge ist?

Ich weiß, dass in meiner Gruppe einige Leute sind, die alles ins Rathaus tragen. Das ist gut so, sofern nicht denunziert wird. Herr Professor Dr. Hiller ist seit fünf Jahren Mitglied, aber ohne nennenswerte Beiträge. Nun zieht er gegen die Gruppe vom Leder. Weil bald Wahlkampf wird. Sehr armselig.

Leserbriefe