Leserbriefe

Kleine Anlagen sind das Problem

09.03.2013, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Günter Richter, Kirchheim. Zum Leserbrief „Wasserkraft und Naturschutz“ vom 2. März. In seiner Leserzuschrift bedankt sich Gerhard Jakob bei Professor a. D. Helmuth Kern, Gemeinderat aus Neckartenzlingen. Dieser hatte seinerseits unter der Überschrift „Unvoreingenommen die Sache abwägen“ in einem Leserbrief meine Argumente gegen den Ausbau kleiner Wasserkraftanlagen als „fragwürdig“ zurückgewiesen. Als Vorsitzender des Fischervereins Wendlingen war ich in dem Bericht „Minimaler Beitrag – maximale Schädigung?“ zu Wort gekommen. Da Gerhard Jakob außer Beifall, Dankbarkeit und einer Reihe von Unterstellungen nichts zum Sachstand beitragen konnte, greife ich die Einwände von Herrn Kern nochmals auf.

Offensichtlich ist es Professor a. D. Kern entgangen, dass sich der erwähnte Zeitungsartikel auf die sogenannten kleinen Wasserkraftwerke bezogen hat. Es ist richtig, dass die gesamte Nettostromerzeugung in Baden-Württemberg sieben Prozent beträgt, davon entfallen jedoch 6,5 Prozent allein auf 64 Großanlagen an Rhein und Neckar! Die Differenz von 0,5 Prozent teilen sich 1700 Kleinanlagen – und die sind das eigentliche Problem. Genau diese Anlagen weisen laut Bundesumweltamt eine deutlich negative Umweltbilanz aus! Hinzu kommt, dass die objektive Bedeutungslosigkeit der Kleinwasserkraftanlagen zur Energiegewinnung erst durch das Energieeinspeisungsgesetz profitabel wird!

Die Annahme von Herrn Kern, dass an neuen Wasserkraftanlagen mit modernen Feinrechen das Fischsterben endet, ist falsch. Unzählige Fische werden durch den Strömungsdruck gegen das Gitter gepresst und in Folge von einem automatischen Rechen halbtot in einen beigestellten Container entsorgt. Aale zählen zu den besonders geschützten Arten und werden an Wasserkraftanlagen überdurchschnittlich stark geschädigt. Gerichte verlangen bei signifikantem Verletzungsrisiko von Vögeln und Fledermäusen die monatelange Einstellung des Betriebs von Windrädern. Warum gilt das nicht auch für Aale in der Hauptwanderzeit?

Für Interessierte empfehle ich den Film „Sind unsere Flüsse noch zu retten“ übers Internet anzuschauen. Herr Kern irrt weiter, wenn er behauptet, die Gewässerchemie wird durch Wasserkraftanlagen nicht verändert. In seinen Ausführungen steckt bereits der Widerspruch. Die Wasserkraft wirkt indirekt auf die Wasser- und Sedimentchemie. Durch Stauhaltungen werden die Lebensbedingungen im Wasser drastisch verändert. Abschließend noch zum Doldenmilchstern und herbeigesehnten Eigentor für den Verfasser dieses Schreibens. Leider konnte ich als „kenntnisreicher Naturschützer“ nicht glänzen, da dieser Aspekt von einem Kollegen und Mitglied der Organisation von Herrn Jakob beigesteuert wurde. Jetzt muss er aufpassen, dass ihm der Doldenmilchstern nicht selbst auf die Füße fällt.

Leserbriefe

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