Leserbriefe

Kirche: Treibt mir Schamröte ins Gesicht

26.11.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Andreas Schwickert, Beuren. Zum Leitartikel „Tumbe Toleranz“ vom 17. November. Im Artikel weist Wolfgang Molitor mit Recht auf das große Versagen der katholischen und evangelischen „Spitzenführer“ der deutschen Kirchen hin, die bei ihrer Pilgerreise nach Jerusalem – beim Besuch des Tempelberges – ihre Brustkreuze (Insignien ihres christlichen Glaubens) versteckten, aus scheinbarem „Respekt“ vor den Eroberern und unrechtmäßigen Teilbesitzern. Wie gesagt, sie befanden sich auf einer Pilgerreise, einer Reise im Bußgewand. Anlass war der unnötige Streit Luthers gegen seine damalige Kirche und das Papsttum, was ja bekanntlich zur Spaltung der Westkirche vor 500 Jahren führte. Mit dieser Reise wollte man an der Geburtsstätte des Christentums Gott um Verzeihung bitten für all das Elend, das aus diesem damaligen Thesenpapier entstanden ist.

Ein wirklich lobenswerter Einstieg beider Kirchen in dieses 500-jährige Gedenkjahr. Irgendetwas muss jedoch dann falsch gelaufen sein. Hat die Christenverfolgung in der Welt – im Besonderen in den Anrainergebieten Israels, welche von Islamisten beherrscht werden – unsere Oberhirten so in Angst versetzt, dass sie ihr Christsein zu verstecken versuchten, um nicht selbst noch Märtyrer zu werden? Zu einer solchen Angst bestand wahrlich noch kein Grund.

Aufruhr hier in Deutschland? Sicher nicht! Sind doch die Mehrzahl unserer muslimischen Mitbürger friedliebend und tolerant. Das Problem liegt also anderswo. Teile unserer Oberhirten können nur noch schöne Sonntagsreden halten. Wenn es zum eigenen Bekenntnis kommt heißt es wie bei Petrus: „Ich kenne ihn nicht“ (Lukas 22, 57) oder schlimmer noch: „Bin doch nur Mietling“ (Johannes 10, 12). Für Ersteres gibt es die Möglichkeit der Umkehr: „Petrus ging hinaus und weinte bitterlich“ (Lukas 22, 62) – sind wir doch alle nicht ohne Sünde. Doch die unendliche Barmherzigkeit Gottes lässt uns, so wir ihn bitten, auf Vergebung hoffen. Das von Herr Molitor geschilderte Verhalten treibt mir sowohl Schamröte ins Gesicht als auch Wut in den Bauch, mit tumb (einfältig) und tolerant viel zu sanft beschrieben.

Leserbriefe

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