Leserbriefe

Keine Zufallsbürger mit über 75 Jahren

08.08.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Egon Eigenthaler, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Bürgerbeteiligung nach Nürtinger Art?“ vom 4. August. Sind die Frauen und Männer über 75 Jahre als Bürgerinnen und Bürger in Nürtingen nicht mehr existent oder bedeutungslos für eine sogenannte repräsentative Bürgerbeteiligung? Ist ihre langjährige Erfahrung, meist weit über eine Oberbürgermeister-, Bürgermeisterin-, eine Stadtrat-, Stadträtin- oder eine Amts- und Ressortleiterin-Periode hinausgehend, nicht gefragt oder gar unerwünscht? Eindeutig eine Diskriminierung dieser circa 15 Prozent starken Altersgruppe, um deren Kreuzchen bei der Kommunal- und OB-Wahl im kommenden Jahr wieder, unabhängig von Alter, Gesundheit und Mobilität, bedenkenlos gebuhlt wird.

Man muss sich fragen, ob der Seniorenrat damit konfrontiert wurde und seine Zustimmung dazu vorab gab? Oder ob der Jugendrat „seinen Senf“ dazu abgeben durfte, ob ab 14 oder erst ab 15 Jahren? Oder ob beide erst aus der Nürtinger Zeitung davon erfuhren?

Angelehnt an das Wahlrecht für die OB-Wahl und die Kommunalwahlen wären wohl alle vier Altersgruppen die korrekte Basis für wenigstens 40 zufällig ausgewählte Bürgervertreter(innen) gewesen. Das ergäbe rund ein Tausendstel der Nürtinger Einwohner. Leider kamen nur zweimal drei Altersgruppen zwischen 15 und 75 Jahren unlogischerweise zur Auswahl. Zu hoffen ist – gemessen an den jeweiligen Personenzahlen.

Unabhängig vom Sinn oder Unsinn der Aktion, springt man wieder von einem Fettnäpfchen ins andere und legt mit dem „Auswahlformat“ gleich die Zündschnur zur Sprengung der mit heißer Nadel selbst gestrickten Sparversion einer Bürgerauswahlbeteiligung, die sowieso mit der echten Bürgerbeteiligung, wie sie einst in Workshops ausgearbeitet wurde, null Ähnlichkeit hat. Auch weiß niemand genau, wo diese 30 Zufallsbürger letztlich mitwirken sollen. Sollen sie den bereits beschlossenen Investorenwettbewerb vorbereiten? Sollen sie ihn ausloben? Oder sollen sie mit eigenen, neuen Ideen den Gemeinderat beglücken?

Die „Meister des repräsentativen Zufalls“ lassen grüßen – aus dichtem Neckargestrüpp.

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