Leserbriefe

Keine Verlängerung menschlichen Lebens

30.08.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hellmut Kuby, Nürtingen Zum Thema „Ewiges Leben“ vom 4. August. Am 4. August 1945 kehrte ich im Alter von 19 Jahren und sieben Monaten von der Insel Fehmarn, wo ich als Marineangehöriger nach Kriegsende interniert war, in mein Elternhaus zurück. Zwei Tage später, am 6. August, explodierte die erste amerikanische Atombombe über Hiroshima in Japan. Ich hatte den Krieg überlebt. Mein Berufsziel Marineoffizier nicht erreicht. Heute habe ich mit meinen 92 Jahren die Mehrzahl meiner Altersgenossen überlebt und bin damit schon sieben Jahre älter, als der Durchschnittsdeutsche zur Zeit wird.

Wenn mir die Frage gestellt würde, ob die Verlängerung des menschlichen Lebens durch Veränderungen des Erbgutes ein erstrebenswertes Ziel der Forschung sein soll, wäre meine Antwort ein eindeutiges Nein. Und ich begründe sie ähnlich wie Frau Erdrich-Sommer. Ich habe ein menschenwürdiges Leben geführt, führen können oder dürfen in der BRD, einem demokratischen Staat. Doch selbst hier und nicht nur in Bangladesch oder in Afrika gibt es leider Menschen, denen es nicht so gut geht, die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen, ohne Aussicht auf eine Besserung.

Immer wieder erschüttert es mich, wenn ein afrikanischer Flüchtling seine Lebensverhältnisse unerträglich findet und sich deshalb im vollen Bewusstsein einer nur fünfzigprozentigen Überlebenschance auf den Weg nach Europa macht. Den Menschen auf der ganzen Welt zu menschenwürdigen Lebensverhältnissen zu verhelfen, muss das Ziel sein. Dies ist möglich – die Ressourcen der Erde lassen es zu – und nicht abhängig von der Länge des Lebens. Eine andere Verwendung der horrenden Kosten für Rüstung (Tötungsinstrumente) würde die Welt verändern. Ich komme auf den Anfang des Briefes zurück, den Krieg mit Millionen von Toten, den ich überlebt habe.

Vor Kurzem habe ich das Soldatengrab meines Kameraden und Freundes an der Kirche seiner Heimatgemeinde besucht. Eineinhalb Jahre waren wir ab Oktober 1943 gemeinsam zu Marineoffizieren ausgebildet worden mit Segelschulschiff und Marineschule bis wir im Frühjahr 1945 auch auf dem Land gegen die in Deutschland vorrückenden feindlichen Armeen eingesetzt wurden. Ich überlebte einen Einsatz gegen die Russen am 1. Mai 1945 in Mecklenburg. Georg starb am 14. April 1945 in der Lüneburger Heide, wie ich gerade 19 Jahre alt. 73 Jahre danach stehe ich an seinem Grab. Seine Eltern hatten ihn in die Heimat überführen lassen. Der Irrsinn des Krieges. Ein nicht zu unterdrückendes Gefühl. Mir wird bewusst, dass ich mit meinem lebenslangen Einsatz für eine Welt ohne Krieg auch eine Verpflichtung meinem Freund gegenüber erfülle. Angesichts dessen, was geschehen müsste, erscheint mir der Versuch, Altern und Tod auszutricksen, pervers.

Leserbriefe

Ist Utopie auch am Neckar erlaubt?

Dorothea Röcker, Nürtingen. Zum Artikel „Infoveranstaltung zur Gartenschau“ vom 2. November. Eine Landesgartenschau ist ein zukunftsweisendes Projekt und muss deshalb ganzheitlich gedacht werden, wenn sie Entwicklungsprozesse in Gang setzen soll. Das Thema „Grüne Stadt am Fluss“ war schon immer…

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