Leserbriefe

Kein Frieden mit den Palästinensern

10.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Mohamad Azzam, Neuffen. Zum Artikel „Türkei wirft Israels Botschafter raus“ vom 3. September. Israel hat mit seinen Bombardierungen auf Gaza wieder einmal eine sinnlose und brutale Vergeltungsaktion gestartet. Die israelische Regierung wollte den Anschlag im Süden Israels, bei dem acht Israelis getötet wurden, nicht ungesühnt lassen. Ungesühnt heißt in dem Fall nicht nur die Attentäter zu töten, denn diese waren kurz nach der Gewaltaktion vom israelischen Militär liquidiert worden, sondern auch der palästinensischen Bevölkerung eine Kollektivstrafe in Form von Bombenregen aufzudrücken. Eigentlich ist hier der Begriff „Strafe“ ein falscher, denn man kann nur dann bestraft werden, wenn man eindeutig der Tat überführt wurde, und zur Überführung bedarf es Befragungen und Untersuchungen. Die Schuld fand Israel schnell, zwar nicht mithilfe von Untersuchungen oder Kommissionen – denn es untersucht sich schwer mit toten Attentätern – die Schuldigen waren die Hamas. Diese sollte nach der Geschichte der israelischen Regierung den angeblich aus dem Sinai stammenden Attentätern den Weg nach Israel geebnet und deren Plan zugewilligt haben.

Hamas dementierte zwar jede Teilhabe an den Anschlägen, begrüßte aber den zweiten Anschlag in diesem Jahr auf israelischem Boden. Das Dementi der palästinensischen Organisation ist wohl glaubwürdig, denn sie hielt sich bis heute an das Waffenstillstandsabkommen mit Israel vom Anfang 2009 am Ende des Gazakriegs, trotz dem frühem Brechen der israelischen Armee. Bei dem fast schon rituellen Bombardement auf Gaza wurden fünfzehn Zivilisten getötet und weitere fünfundvierzig Menschen verletzt. Unter den Toten befanden sich drei Kinder im Alter von zwei, drei und fünfzehn Jahren und ein Arzt. Während der Bombardierungen auf den Gazastreifen schoss das von der Hamas separate Volkwiderstandskomitee mit Raketen nach Israel. Insgesamt waren es hundert, die einen Israeli töteten und fünfzehn weitere verletzten. Aus der Selbstverteidigung der Palästinenser konnte nun die israelische Führung selber eine Verteidigung begründen und verstärkte den Bombenhagel auf Gaza. Diese in den Augen von der israelischen Regierung gesehene Deeskalation der Situation? Deeskalation im Sinne des englischen Wortes für Schrotflinte „peacemaker“ sollte nicht nur im Gazastreifen angewendet werden, auch Ägypten sollte befriedet werden und zwar mit Kampfhubschraubern made in USA. Nach israelischen Angaben verfolgte man die flüchtigen Attentäter mit Hilfe von Helikoptern bis in ägyptischen Territorien. Dort traf man auf ägyptische Soldaten, die in Augen der Israelis wohl verkleidete Terroristen waren und beschossen sie mit Raketen.

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