Leserbriefe

Kein Bonus für Luxus-Hotels

18.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sebastian Kurz, Nürtingen. Zum Artikel „Griff nach fünf Sternen am Karlsplatz“ vom 5. März. In Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise befinden sich Tausende Beherbergungsbetriebe in einer existenzbedrohenden Situation. Die Hotellerie war 2009 das am stärksten von der Finanzkrise betroffene Branchensegment innerhalb des Gastgewerbes. Die durchschnittlichen Erlöse je verfügbarem Zimmer sanken in den ersten acht Monaten 2009 im Vorjahresvergleich um 13,4 Prozent. Doch werden Luxushotels mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz unterstützt? Tatsache ist, dass das klassische Beherbergungsgewerbe in Deutschland nicht nur mittelständisch, sondern weitgehend kleinbetrieblich strukturiert ist. Fast ein Drittel der Betriebe setzt jährlich weniger als 100 000 Euro netto um. Bei 76 Prozent der Betriebe liegt der Jahresnettoumsatz unter 500 000 Euro. Nur 13 Prozent der Betriebe machen über eine Million Euro Umsatz (netto). Nur 142 Hotels erwirtschaften jährlich mehr als zehn Millionen Euro Nettoumsatz. Das sind nur 0,4 Prozent der Gesamtbranche.

Zur Verdeutlichung: Einem Gasthof-Betreiber auf dem Land, der mit seinem Betrieb einen Jahresnettoumsatz bis 500 000 Euro im Jahr 2009 erwirtschaftet hat, bleiben laut Betriebsvergleich nach Abzug aller Kosten 39 000 Euro Gewinn. Das sind 39 000 Euro Jahresverdienst (nach Abzug der Steuern), von dem er sich und seine Familie ernähren und versorgen muss. Bei einem Eigentumsbetrieb verbleiben bei dem Unternehmer 53 100 Euro.

Die meisten Hotels in Deutschland werden nach wie vor individuell geführt. Zur Kettenhotellerie gehören nur 1283 Betriebe. Das entspricht einem Anteil an allen Betrieben von 3,4 Prozent. Da besteht also kein Platz für Neidkampagnen unter Verweis auf das Klischee der allein profitierenden Luxushotelketten. Die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Beherbergungsleistungen war ein wichtiger Impuls für die heimische Tourismuswirtschaft. Gäste, Mitarbeiter sowie Handwerker und Zulieferer werden hiervon profitieren. Eines sei noch am Rande bemerkt: Viele Hoteliers haben die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent selbst tragen müssen und aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks in Deutschland nicht an die Gäste weitergegeben.

Leserbriefe

Kostensteigerung ist ein Skandal

Hermann Döhne, Nürtingen. Zum Artikel „Teufelsklinge in der nächsten Runde“ vom 18. Januar. Die Debatte um die Kostenentwicklung bei der Teufelsbrücke nimmt kein Ende. Immer neue Hiobsbotschaften müssen verkündet werden, so jedenfalls war es in der letzten Sitzung des Bau- und…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe