Leserbriefe

Kanzlerin und Stromkosten

26.06.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal. Zum Artikel „Atomindustrie droht Merkel“ vom 21. Juni. Ärmer werdende Bürger zahlen immer höhere (inzwischen nur mit Verzicht an bereits reduzierter Lebensqualität bezahlbare) Kosten für Benzin, Heizöl, Wasser, Gas und Strom – und das bei immer höheren Gewinnen von Konzernen sowie preisdominierenden Staatsaufschlägen, auch überzogenen kostenträchtigen Rahmenforderungen. Nach dem Fiskus sind die Spitzenrahmabscheider die Konzerne in der Energiewirtschaft.

Dreistellige Milliarden-Gewinnschöpfungen allein der Stromkonzerne im Laufe der letzten zehn Jahre bei ständigen Preiserhöhungen im gleichen Zeitraum (je nach Bereich zwischen 40 und 60 Prozent) auch bei teilweise verminderten Gestehungskosten der Produkte belegen eine ungebremste Wuchermentalität. Angesichts Bemühungen der Autoindustrie für strombetriebene Fahrzeuge ist absehbar, dass künftig eine weitere überteuerte Abhängigkeit von einer oligarchischen Stromindustrie auf Bürger zukommt.

Die Liberalisierung (geschönt für Privatisierung stehend) zum Beispiel in der Ressourcen- und Gesundheits- und Versicherungswirtschaft nach Brüsseler und Berliner Art hat in lebenswichtigen Bereichen für den Verbraucher bislang ausschließlich erhebliche Mehrkosten verursacht. Sie richten sich also gegen den Verbraucher – entgegen den Absichtserklärungen. Lobbyisten und Silberverwerter in den Regierungsgremien „erlagen“ öffentlich „selbstbedauernd“ einer Verbrauchermehrheit für diesbezügliche Liberalisierungsaktivitäten, die es nie gab oder deren Bedarf herbeigeredet wurde (ähnlich den unnötig überzogenen, personalstreckenden, beratungsreduzierenden, mittelstandsschädlichen Ladenöffnungszeiten), um profitable Ziele zu erreichen. Freiheiten in der Wirtschaft sind ein sensibles Gut und schon gar keine Bedingung.

Es ist keine Frage der Zeit mehr, wann sich Bürger wegen völliger Unbezahlbarkeit der Ressourcennutzung oder weiterer Ungerechtigkeiten endgültig links orientieren und die Straßen mit ihrem Unmut überfluten. Die Fremdbestimmung, als Magerkuh Rahmlieferant für wenige Kapitalhalter zu sein oder bei lebenswichtigen Nutzungen durch Ausbeutungssteuer außen vor gelassen zu sein, erzeugt meine persönliche Auflehnung gegen einen Spätkapitalismus der vorherrschenden Weise.

Die insgesamt gezeigte Unordnung des Wirtschaftssystems der Egoismen, das inzwischen zu einem zweifelhaften Kultursystem wucherte, wird in absehbarer Zeit eine Desastererfahrung ähnlich der des Kommunismus erfahren müssen – allerdings weniger unschuldig, respektive ungefährlich, da dem Selbstverständnis des Großkapitals eine immer dienende verdeckte oder im Ernstfall auch öffentliche Anarchie bescheinigt werden kann.

Leserbriefe

Nicht nur gegen die AfD demonstrieren

Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Ein Austausch um jeden Preis?“ vom 8. Dezember. Es hat sage und schreibe anderthalb Jahre gedauert, bis der Fachrat für Interkulturelle Zusammenarbeit (FIZ) endlich zur Kenntnis genommen hat, dass der vom Oberbürgermeister, dem Integrationsbeauftragten, dem…

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