Leserbriefe

Käßmann im Krieg gegen die Wahrheit?

13.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ulrich Immendörfer, Frickenhausen-Linsenhofen. Zum Kommentar „Im Krieg mit der Wahrheit“ vom 5. Januar. Reiner Wehaus macht sich zum Richter darüber, wer im Besitz der Wahrheit ist und wer dagegen die Wahrheit bekämpft. Nach seiner Darstellung hat sich der Westen, unter allen vornean die USA, in Afghanistan vor allem aus humanitären Gründen in dieses militärische Engagement begeben.

Erinnern wir uns doch: Es war die Reaktion auf die Ereignisse vom 11. November 2001, die das Eingreifen der USA in Afghanistan provozierte. Die Rache für die Weigerung der Talibanregierung, Osama Bin Laden auszuliefern, diktierte das Gesetz des Handelns. Das unmenschliche Regime der Taliban, das besonders hart die Frauen traf, war für kein Land des Westens Grund, einzugreifen. Margot Käßmann sagt „nichts ist gut in Afghanistan“ und sie plädiert für eine zivile Lösungsstrategie. – Reiner Wehaus rate ich, die Bücher Jürgen Todenhöfers („Die Irrtümer des Kreuzzuges gegen den Terror“) und des ehemaligen Stabsarzts der Bundeswehr, Reinhard Erös („Tee mit dem Teufel“ und „Unter Taliban“) zu lesen, bevor er Margot Käßmann als Werferin „verbaler Streubomben“ verurteilt. Diese Autoren kennen die Verhältnisse in Afghanistan aus eigener, unter Lebensgefahr gewonnener Anschauung. Sie sind beileibe keine Pazifisten. Sie wissen aber, dass hier militärisch nicht mehr viel bewirkt werden kann.

Was soll denn die Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan, wenn eh nur etwa zehn Prozent der dort stationierten Soldaten das befestigte Lager zu irgendwelchen Einsätzen verlassen dürfen? Was soll denn die Aufstockung des amerikanischen Truppenkontingents, wenn doch für jeden gefallenen Taliban hundert Talibanschüler bereitstehen, in den Kampf gegen die „Ungläubigen“ einzutreten? Aus den hassschürenden Koranschulen in den Flüchtlingslagern Pakistans kommen sie mit der Gewissheit, sich durch den Tod im Kampf gegen die Ungläubigen die ewige Seligkeit zu verdienen. Dieser Glaubenseinstellung hat der Westen nichts entgegenzusetzen. Fürchten müssen wir uns vor dem Hass derer, die angesichts des Elends in diesen Lagern nichts zu verlieren haben. Wie viel Prozent der militärischen Kosten des Afghanistaneinsatzes werden humanitär eingesetzt? Ist es mehr als 0,0 Prozent? Und wenn schon, wie kann verhindert werden, dass zwei Drittel davon wegen der dort üblichen Korruption nutzlos versickert? Was ohne den Einsatz von Waffen möglich ist, kann man in den oben erwähnten Berichten nachlesen! Aber zurück zu Margot Käßmann: Wer führt hier Krieg gegen die Wahrheit? Wer zündet verbale und danach auch militärisch menschenvernichtende Streubomben? Ist es die EKD-Ratsvorsitzende? Oder sind es die Einäugigen, die humanitär denken, aber, weil sie das Wesentliche von den Militäreinsätzen erhoffen, über unendlich viele Leichen gehen?

Leserbriefe

Gambia ist kein sicheres Herkunftsland

Sem Schade, Wendlingen. Zum Leserbrief „Einwanderer aus Afrika und Migrationspaket“ vom 6. Dezember. Herr Hummel hat das Gefühl, angelogen zu werden und ich würde hierfür gerne ein paar Anstöße setzen, da ich mich intensiv mit der politischen Lage in Gambia auseinandergesetzt habe.

Gambia…

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