Leserbriefe

Jeder Bürger muss selbst entscheiden

16.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manfred Richey, Nürtingen. Zum Leserbrief „Unterschriften vor dem Friedhof gesammelt“ vom 11. März. Das Informieren von Friedhofsbesuchern und Sammeln von Unterschriften vor dem Friedhof an einigen wenigen Tagen kann man natürlich – so, wie dies Herr Mühleisen sieht – auch als Störung der Totenruhe ansehen. Nur ist diese „Störung“ minimal und unscheinbar, verglichen mit der zu erwartenden Störung, wenn die Flüchtlingsunterkünfte in unmittelbarer Nähe des Friedhofs und Friedhofseingangs gebaut und von vielen Flüchtlingen bezogen sind. Und dann handelt es sich um eine Dauerstörung.

Es gibt aber noch ein weiteres und nicht zu vernachlässigendes Argument: Der Friedhof wird regelmäßig von vielen Angehörigen besucht, die dort die Gräber ihrer Verstorbenen besuchen und pflegen. In vielen Fällen handelt es sich um ältere Menschen, in der Mehrzahl um Frauen. Und diese Besucher müssen an den Wohnheimen vorbei und auch an der Bushaltestelle, die möglicherweise zu einem Treff- und Sammelpunkt etlicher Flüchtlinge wird. Wechseln die Friedhofsbesucher vor der Bushaltestelle die Straßenseite, fühlen sich die Flüchtlinge möglicherweise brüskiert. Bleiben die Besucher auf der Seite, dann müssen sie sehr dicht an den Flüchtlingen vorbei. Viele und gerade ältere Frauen, die unterschrieben haben, haben sich sehr besorgt geäußert, ob sie in Zukunft ohne Angst haben zu müssen noch ihre Verstorbenen auf dem Friedhof besuchen können. Aber das scheint Herrn Mühleisen ja wohl eher weniger zu interessieren – oder hat er es einfach nur nicht bedacht, wie wohl auch die Planer des Standortes?

Und was das in den Brunnen gefallene Kind betrifft, hier hätte der Gemeinderat – als gewählte Volksvertreter – vorher einen Deckel draufmachen können. Sprich: Vor einer Entscheidung mit zu erwartenden weitreichenden Folgen mit den betroffenen Bürgern sprechen und nicht im stillen Kämmerlein entscheiden und basta! Wenn Herr Mühleisen es als pietätlos empfindet, dass vor dem Friedhof eine sehr ruhige, disziplinierte und unaufdringliche Aktion zur Information betroffener Friedhofsbesucher durchgeführt wurde, muss ich mich fragen, ob es nicht pietätlos ist, den Flüchtlingen, von denen viele in ihrer Heimat Tod und Schrecken erleben mussten, nun zuzumuten, in unmittelbarer Nähe eines Friedhofs untergebracht zu werden. Herr Mühleisen appelliert an die Wähler, sich vor der Abstimmung im Juni ihre eigenen Gedanken zu machen und entsprechend abzustimmen. Da stimme ich ihm voll und ganz zu und möchte anmerken, dass es ihn auszeichnet, dass er dies so neutral darstellt und sich nicht vehement dafür einsetzt, gegen den Bürgerentscheid und damit für den Bau der Flüchtlingsheime an diesem sensiblen Ort zu stimmen. Denn das muss ein jeder wahlberechtigte Bürger selbst abwägen und entscheiden.

Leserbriefe

Die Stomleitung in den Boden verlegen

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Wohnungsbau im Gewann Wasserfall“ vom 13. Juli. „Zur Hochspannungsleitung halten wir dabei gebührend Abstand“, meint Stadtplanerin Schreiber bei der Vorstellung der Wohnbaupläne am Schelmenwasen. Diese Maßeinheit bedarf einer Präzisierung: Was ist…

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