Leserbriefe

„Inklusion ist kein Selbstzweck“

06.03.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thaddäus Kunzmann, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Alle Kinder sollen optimal gefördert werden“ vom 2. März. Die Pläne der Landesregierung zur Beschulung von Kindern mit einer Behinderung in Regelschulen sehe ich kritisch. Mir fehlt in der ganzen Diskussion der Gedanke an das Wohl des Kindes.

Richtig ist, dass viele Kinder mit einer Behinderung an einer normalen Schule unterrichtet werden können. Dies ist auch bereits heute Realität. Aber wie überall gibt es Grenzen und es kann nicht alleine der Entscheidung der Eltern überlassen bleiben, auf welche Schule ein Kind zum Beispiel mit einer geistigen Behinderung geht.

Es wird nämlich vor allem die Werkrealschulen und Realschulen treffen. Und da frage ich mich, mit welchen Aufgaben wir dort die Lehrkräfte sonst noch belasten wollen. Bereits die überstürzte Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung hat in den fünften und sechsten Klassen der Realschulen zu heillos überforderten Kindern geführt.

Für die Lehrer, deren Aufgabe es ja hauptsächlich sein soll, den Kindern etwas beizubringen, ist das bereits heute eine große Belastung. Ein überfordertes und dadurch aggressiv gewordenes Kind kann das komplette Lernklima in der Klasse negativ bestimmen.

Und jetzt soll nach die Inklusion dazukommen. Welchen Sinn macht es, Kinder in eine Klasse zu setzen, die dem Stoff nicht folgen können? Damit werden doch die Schulen zur reinen Betreuungseinrichtung degradiert. Inklusion ist doch kein Selbstzweck. Es muss doch auch Sinn machen!

Auf der anderen Seite haben wir bundesweit ausgezeichnete Sonderschulen und Sonderpädagogen. Diese müssen nun zur Betreuung der Kinder in die einzelnen Schulen gehen – und verlieren damit die Anbindung an ihre Sonderschule. Damit geht jedoch auch nach und nach deren Kompetenz verloren. Und es glaube doch niemand, dass ein Realschullehrer, der im Studium einige Stunden Sonderpädagogik genossen hat, diese Kompetenz erreichen kann. Unter die Räder kommen die betroffenen Kinder – und die Lehrer, die immer mehr überfordert sind.

Problematisch finde ich zudem, dass natürlich niemand mehr einen Beruf erlernen möchte, der im Aussterben begriffen ist. Damit geht die Kompetenz der Sonderpädagogik insgesamt verloren. Für was?

Leserbriefe

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