Leserbriefe

Im Namen der „Wirtschaftlichkeit“

12.08.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Uschi Stecher, Bempflingen. Die beabsichtigte, sehr umfassende Änderung des Flächennutzungsplans in Bempflingen ist eine Zäsur in der Geschichte des Dorfes. Nicht weil für die rund zwei Hektar in der Oberen Au in Richtung Riederich und Kreisgrenze, die neu in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden sollen, rund 1,3 Hektar im Schlegert Richtung Neckartenzlingen und circa ein Hektar im Gebeit Hengstäcker in Kleinbettlingen gestrichen werden sollen, sondern weil im Namen der „Wirtschaftlichkeit“ billigend in Kauf genommen wird, dass fruchtbares Ackerland geopfert wird – nach Ansicht führender Wirtschaftsexperten in nicht allzu ferner Zukunft ein nahezu unbezahlbares Gut. Und dass sich das bisher attraktive Südantlitz des Dorfes durch „sozial orientierten“ Wohnungsbau verändert. Ganz abgesehen vom Hochwasserschutz, der zwar durch ein Gutachten einigermaßen abgesichert werden soll, aber von vorneherein gar nicht in die Überlegungen mit einbezogen wurde.

Die noch unbebaute Restfläche der Oberen Au gewährleistet einen gewissen Schutz vor Hochwasser. Eine großzügige Auslegung dieses Sachverhalts könnte in Zukunft sowohl die Neuhinzuziehenden als auch die bereits bestehende Siedlung der Oberen Au und das Unterdorf in Mitleidenschaft ziehen. Vor allem das tiefer liegende Unterdorf, das durch die Ableitung und den verstärkten Wasserdruck des Mehrabwassers (über die Au ins Unterdorf und von dort in die Kläranlage) und wegen der fehlenden Auffangfläche gefährdet sein könnte. Wo bleibt dann die „Wirtschaftlichkeit“? Wir alle wissen doch, dass bei Starkregen die Durchmesser der Kanalisation schon heute nicht mehr ausreichen. Sind wir den Verantwortlichen, die das gerne verdrängen, zu wenig auf die Füße getreten? Das Entfernen weiterer Auffangflächen ist höchst problematisch und muss vorausschauend mitbedacht werden. Die zunächst gut erscheinende und bekundete Absicht der Sozialraumorientierung durch den Gemeinderat könnte sich als fataler Irrtum erweisen, wenn beispielsweise der Hochwasserschutz durch entsprechende Verordnungen an den zukünftigen Eigentümern hängenbleibt und sich das Bauen dadurch enorm verteuert. Unbeantwortet blieb in der Sondersitzung auch die wiederholt aufgeworfene Frage, wer den Ball denn nun eigentlich ins Rollen brachte und „Wirtschaftlichkeit“ als oberstes Gebot ausrief. Immerhin handelt es sich bei dieser groß angelegten Änderung des Flächennutzungsplans um einen massiven Eingriff in das Gesamtbild der Gemeinde, in die Ökologie und womöglich in den sozialen Frieden. Mit Spannung darf erwartet werden, wie das Gutachten, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hat, ausfällt. Der von der Freien Wählervereinigung gestellte Antrag auf zusätzliche Prüfung des Gebiets Schlegert wurde vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt. Die Fixierung auf die Obere Au ist unübersehbar.

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