Leserbriefe

Homosexualität im Schulunterricht

15.01.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gisela Glaser, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Kirchen gegen Aufwertung des Themas Homosexualität“ vom 11. Januar. Die beiden Kirchen erklären, dass Kinder und Jugendliche bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität nicht beeinflusst werden dürften. In diesem Satz stecken gleich zwei Denkfehler.

Der erste Denkfehler besteht darin zu glauben, dass es möglich sei, Kinder und Jugendliche bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität nicht zu beeinflussen. Denn auch die Tabuisierung des Themas Homosexualität ist eine Beeinflussung, und zwar eine sehr einschneidende! Worüber nicht gesprochen wird, was kein Thema ist, das existiert entweder nicht oder ist so schlimm, dass man darüber nicht sprechen kann. Das ist die Botschaft, wenn ein Thema ausgeklammert wird. Ich gehöre noch zu der Generation, in der über Sexualität ganz allgemein nicht gesprochen wurde oder nur hinter vorgehaltener Hand. Dieses Verhalten war der Ausdruck der Einstellung gegenüber Sexualität: Sie ist unanständig, eklig, etwas, was eigentlich gar nicht sein sollte. Entsprechend problematisch war der Umgang mit Sexualität.

Glücklicherweise sind diese Zeiten heute vorbei. Leider gilt das nicht für schwule und lesbische Jugendliche. Ihnen wird es auch heute noch nicht leicht gemacht, die eigene Sexualität als etwas Selbstverständliches und Wertvolles anzuerkennen.

Der zweite Denkfehler liegt darin, dass heterosexuelle Kinder und Jugendliche durch das Sprechen und Informieren über Homosexualität dazu gebracht werden könnten, homosexuell zu werden. Das ist ein Irrtum! Die Erfahrung zeigt, dass die Problematik genau umgekehrt ist: Wenn Kinder und Jugendliche damit aufwachsen, dass es um sie herum nur Heterosexualität gibt, dann wird es sehr schwierig, die eigene Homosexualität anzunehmen. Denn die logische Schlussfolgerung kann nur heißen: „Mit mir stimmt etwas nicht. Ich bin nicht in Ordnung. Ich muss anders sein.“

Viele Schwule und Lesben verheimlichen deshalb ihre eigene Homosexualität oder zwängen sich in die Normalität einer heterosexuellen Beziehung. Beide Wege sind verhängnisvoll und mit viel Leid und Schmerzen für alle Beteiligten verbunden. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Homosexualität im Schulunterricht thematisiert wird. Allerdings graut mir davor, wenn ich daran denke, dass Lehrer wie jener Herr Stängle das tun werden, der die Petition gegen den neuen Bildungsplan initiiert hat.

Leserbriefe

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