Leserbriefe

Höchste Zeit für S21-Brandschutz

05.09.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Halbzeit auf der Bahnhofsbaustelle“ vom 30. August. Unglaubliche Mengen Stahl werden von den türkischen Eisenflechtern in den S21-Tiefbahnhof-Kelchen exakt zusammengefügt und der Bauleiter ist zufrieden: „Terminlich betrachtet sind wir gut unterwegs!“ sagt er in dem Artikel über die „Halbzeit auf der Bahnhofsbaustelle“, in dem Konstantin Schwarz auch erwähnt, dass der Fertigstellungstermin von 2021 um vier Jahre auf 2025 verschoben und die Kostenkalkulation von 6,5 auf 8,2 Milliarden Euro „angepasst“ wurde.

Von diesem seit Jahren praktizierten Anpassungs-System profitiert natürlich auch der Bauleiter, denn Termine und Kosten „einhalten“, wenn sie stets „angepasst“ werden, ist eine bequeme Methode. Jahr für Jahr werden noch mehr als die jetzt schon fast zehn Milliarden Euro Steuergeld für die Profiteure lockergemacht – der Flughafen BER in Berlin lässt grüßen, aber Stuttgart 21 „is the winner“! Wie bei dem BER heißt das Zauberwort auch in Stuttgart „Brandschutz“. Die Ingenieure22 haben gravierende Fehler und Mängel entdeckt, als sie bei der Bahn Einsicht in die Liste der „1700 Risiken bei S21“ erkämpft haben. Bei der Brandschutzplanung für den gefährlich schrägen Tunnelbahnhof ist es nicht „Halbzeit“, sondern „Höchste Zeit“, und dabei spielen die sündhaft teuren, maßgeflochtenen Kelche mit den großen „Glubschaugen“ eine besondere Rolle: Dort sollen im Brandfall die Rauchgase aus dem Tiefbahnhof rausgedrückt werden, damit die bis zu 16 000 Menschen eine Rettungschance haben.

Aber das bisher angedachte System ist nicht geeignet und muss deshalb neu geplant werden mit Auswirkungen auf die Kelche, Deckenkonstruktion et cetera. Die Bahn wurde von den Ingenieuren 22 darüber informiert und kann also nicht mehr sagen: „Das haben wir nicht gewusst“. Auch gegen das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) wurde im Zusammenhang mit der Genehmigung der 18. Planänderung Klage erhoben. Zeit für einen Baustopp ist bei den flexiblen Terminänderungen der Bahn genügend vorhanden, denn bisher ist kein einziger Kelch mit dem verwirrenden Stahl-Geflecht wirklich fertig. 28 Kelche sollen es zwar werden – aber nach wie vor wäre es sinnvoller, Stuttgart 21 insgesamt zu „entflechten“ und den Umstieg auf den bewährten Kopfbahnhof und einen Bahnverkehr mit Zukunft bald zu beschließen. Dabei werden auch noch circa fünf Milliarden Euro gespart – schlecht für die reichen Profiteure, aber sehr gut für den Steuerzahler.

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