Leserbriefe

Hilfe anbieten oder doch lieber lassen?

11.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Andreas Bonhöfer, Oberboihingen. Manchmal weiß man nicht, ob spontane Reaktionen gut oder schlecht sind. Auf dem Weg zur Arbeit von Nürtingen auf die Filder führt mich mein Weg kurz nach sieben Uhr auch durch Wolfschlugen. Neulich beobachtete ich, wie ein paar Autos vor mir ein junges Mädchen hastig über die Ampel rannte, die erst kurz zuvor für den Verkehr auf Rot geschaltet hatte. Das Mädchen rannte weiter Richtung Ortsmitte. Dann erkannte ich auch den Grund: 300 Meter weiter vorne fuhr der Bus die Haltestelle an.

Sie wird es nicht mehr schaffen, dachte ich und vermutete, dass der Fahrer sie nicht mal gesehen hat. Tatsächlich fuhr der Bus bereits weiter. Traurig, ja resigniert schaute sie dem Bus hinterher. Zu allem Überfluss hat sie in der Hektik auch noch was aus ihrer halboffenen Tasche verloren. Sie tat mir echt leid. Meine Gedanken begannen zu wandern: Sollte ich ihr anbieten, sie mitzunehmen? Den Bus könnten wir locker überholen und ich könnte Sie dann an einer nachfolgenden Haltestelle rauslassen. Aber bringe ich sie dann nicht in einen Gewissenskonflikt? Meinen Kindern habe ich auch gesagt, sie sollen niemals in ein fremdes Auto steigen.

Möglicherweise hat die betroffene Schülerin ausgerechnet an dem Tag eine ganz wichtige Arbeit und jetzt hatte sie verschlafen. Nur eine Minute hat ihr gefehlt, dann wäre der Bus vor der Ampel zum Stehen gekommen, sie hätte locker rübergehen können und hätte den Bus rechtzeitig erreicht. Ob sie auch überlegt hat, dass jemand anhalten und sie mitnehmen könnte?

Wie würde ich als Vater reagieren, wenn mir meine Tochter erzählt, dass sie den Bus verpasst hat und ein Autofahrer anhielt, um sie mitzunehmen und sie dann doch noch rechtzeitig zur Schule kam? Wie soll man nur reagieren?

Leserbriefe

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