Leserbriefe

Hauptschulen und die Politik

16.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerd Lichtenauer, Großbettlingen. Zum Artikel „Oettinger braucht dringend Erfolg, sagt selbst die FDP“ vom 12. Juli. Es ist erfreulich, dass in der Landespolitik inzwischen die Bereitschaft da ist, für Bildung mehr Geld auszugeben. Allerdings kann einem himmelangst werden, wenn man aus dem Regierungslager die Stimmen zur Konkretisierung hört. Dies gilt vor allem, wenn es um die Zukunft der Hauptschulen geht. Herr Oettinger sagt etwas dazu, dann Herr Stächele, dann Herr Mappus. Und Herr Rau? Sagt auch etwas dazu. Aber jeder hat eine andere Variante auf Lager. Das kommt vielleicht daher, dass von den genannten Herren wahrscheinlich niemand engeren Kontakt mit Hauptschülern oder deren Familien hat. Man kennt die Situation vor Ort nicht wirklich, aber man hat eine feste Meinung und schielt damit nach Personengruppen, von denen man sich Beifall erhofft. Nur ist damit den Hauptschülerinnen und Hauptschülern nicht geholfen.

Die Lösung des Problems kann nicht in der angedachten Kooperation von Realschulen und Hauptschulen liegen (ich möchte einmal wissen, wie das im ländlichen Raum praktisch funktionieren soll). Sie kann auch nicht darin bestehen, kleinen Kommunen ihre Hauptschule am Ort zu lassen. Der Bevölkerungsrückgang wird mit sich bringen, dass in wenigen Jahren in solchen Schulen nur noch fünf bis sechs Schüler je Jahrgang sitzen. Damit ist die Kosten-Nutzen-Relation katastrophal (man denke an den Unterhalt von teuren Fachräumen), Synergien im Mini-Lehrerkollegium sind kaum noch möglich, Kontakte zur Wirtschaft erschwert, weil es in solch kleinen Kommunen kaum Ausbildungsplätze gibt. Auch die Zusammenlegung zu mindestens zweizügigen Hauptschulen wird die inhaltlichen Probleme dieser Schulen kaum lösen.

Eine ganz andere Lösung liegt für mich auf der Hand: Die gemeinsame Grundschulzeit wird auf mindestens sechs Jahre erhöht. Alle in- und ausländischen Fachleute plädieren dafür, zuletzt der Vorsitzende der Bildungskommission der EU. In dieser verlängerten Grundschulzeit werden alle Kinder intensiv gefördert und es wird ihnen ein solides Basiswissen vermittelt. Damit bleibt die Schule am Ort erhalten. Gleichzeitig kann man alle Hauptschulen beruhigt auslaufen lassen, weil für diesen Schultyp kein Bedarf mehr besteht. Sie gehen auf in den Realschulen oder Mittelpunktschulen oder wie immer man dann diese weiterführende Schulart nennen will. Damit ist auch erreicht, dass alle Kinder eine mindestens zehnjährige allgemeinbildende Schulzeit erleben. So, jetzt möchte ich von irgendeinem Politiker schlüssig nachgewiesen haben, dass diese Idee nicht sinnvoll ist.

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