Leserbriefe

Hat Herr Rieger nicht zugehört?

26.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Leitartikel „Die verkorkste Abstimmung“ vom 15. September. Als der Leitartikel von Arnold Rieger geschrieben wurde, hat er Oberbürgermeister Schuster auf dem Marktplatz in Stuttgart nicht richtig zugehört oder versäumt, dort hinzugehen. Immerhin waren zwischen 1500 und 3000 Menschen dort. Sogar ein paar Befürworter von S 21, die sich hinter ihren großen Schildern versteckten.

Sensationell: Öffentlich ist der langjährige Immobilien-Spezialist und Bürgermeister nämlich für einen Bürgerentscheid zu Stuttgart 21 eingetreten. Auch der Gemeinderat habe zugestimmt, dass 2017 der Bürger über die Finanzierung entscheiden darf. Warum aber erst so spät und nicht schon heute? Das wäre nicht im Sinne der Bahn, weil dann die Stuttgarter sicherlich gegen S 21 stimmen würden und das ganze Immobilienprojekt gestorben wäre. Die bisher laut Schuster „legitim“ genehmigten Gelder würden aber ausreichen, um die Zukunft einzuleiten mit der Zerstörung des halben Bahnhofs und der 280 Bäume im Schlosspark, dem Bau der Behelfsstege über die riesige Baugrube für die täglich 120 000 Bahnreisenden, die Erzeugung von Feinstaub mit täglich 2400 Lkw für den Tunnelschutt und vieles mehr.

Aber circa 2017 müssen die Partner laut Vertrag nachfinanzieren. Demokratisch sollen diesmal die Bürger selbst den Kopf hinhalten und in einem Bürgerentscheid dem Stuttgarter Anteil an der voraussichtlichen Finanz-Katastrophe von acht oder zwölf Milliarden alternativlos zustimmen. Gemessen daran sind die von Arnold Rieger schüchtern erwähnten Ausstiegskosten zwischen 0,5 und 1,5 Milliarden Euro echte „Peanuts“ und bar verdientes Geld. Wo ist denn der Gegenwert, für den bezahlt werden soll? Das 70 000 Euro teure Plakat am Nordbahnhof? Oder die rostigen blauen Rohre? Oder die Werbeagentur mit den „Wahr-ist-Herzchen“? Das sind doch alles schon rausgeschmissene Gelder!

Aber die Bahn soll endlich die 1,5 Milliarden zurückgeben, die sie in den letzten Jahren bei der Nicht-Instandhaltung des Bahnhofs gespart hat. So könnte man einen Leitartikel schreiben, wenn man Herrn Schuster zuhört, der 2017 aber sicher in einer anderen Führungsposition für Stuttgarter Immobilien tätig ist.

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