Leserbriefe

„Häme ist unangebracht“

05.07.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rosemarie Bernutz, Nürtingen. Zum Kommentar „Das wahre Gesicht“ vom 30. Juni. War die Berichterstattung am 29. Juni über die Info-Veranstaltung zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen in Containern unter einer 380-kV-Hochspannungsleitung auf der Nanzwiese noch relativ sachlich, ist der Kommentar „Das wahre Gesicht“ Polemik aus der niedersten Schublade. Er ist an Gehässigkeit und Schadenfreude kaum noch zu überbieten: „Im Roßdorf hat die Stadtverwaltung ihren Willen durchgesetzt. Gut so!“: Hier zeigt Herr Klemke sein wahres Gesicht.

Was hat die Nürtinger Zeitung eigentlich gegen das Roßdorf? Ich lebe seit sieben Jahren in diesem Nürtinger Stadtteil und ich habe in meinem langen Leben bisher noch nicht oft so viel politisches und soziales Engagement, so viel Hilfsbereitschaft erlebt wie hier. Von den Roßdorfern sind die wenigsten „Eingeborene“. Es handelt sich um ein bunt zusammengewürfeltes Völkchen, das friedliches Miteinander und Integration von vielen ausländischen Mitbürgern geschafft hat und praktiziert.

Die abwertend als „kleines Fleckchen Grün“ bezeichnete Nanzwiese war als Ausgleich für die Hochhausbebauung gedacht und ist zum zentralen Mittelpunkt, zur Naherholung für viele geworden. Und nicht zu vergessen: Das Roßdorf ist der am dichtesten besiedelte Teil Nürtingens. Ich kann mich auf keinen Leserbrief besinnen (und ich habe die Briefe zu Bebauung der Nanzwiese aufmerksam verfolgt), in dem die Nanzwiese zum „heiligen Rasen“ erklärt wurde. So viel Häme ist unangebracht!

Ich verwahre mich aufs Schärfste gegen die Unterstellung, dass es „den ach so besorgten“ Roßdorfer Bürgern nicht um die Gesundheit der Hilfesuchenden gehe, sondern nur um die eigene Sicherheit. Es ist nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht eines jeden Bürgers, für die eigene Sicherheit zu sorgen. Herr Klemke braucht sich nicht für die Roßdorfer zu schämen, die sich zu ihren Ängsten bekennen – wohl wissend, dass sie damit verlogene Beschwichtigungen auf den Plan rufen –, es reicht, wenn er sich wegen dieses Kommentars für sich selbst schämt. Es wäre angebracht, dass gewählte Politiker sich um Wohl und Wehe ihrer Wähler kümmern, hinhören und die vorhanden Ängste ernst nehmen – auch wenn sie sie für irrational halten.

Die Pauschalverurteilung der älteren Anwohner – zu denen ich mich inzwischen auch zählen muss – ist eine Unverfrorenheit wie sie ihresgleichen sucht. Es geht nicht darum, dass sie keine Flüchtlinge in ihrer „vermeintlichen Roßdorf-Idylle“ haben wollen, sondern um das Zupflastern der Nanzwiese mit Containern.

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