Leserbriefe

Gutes Beispiel für postfaktisch

26.01.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Postfaktisch und die Arbeit der Presse“ vom 14. Januar. Gerade liefert ein Leserbrief der letzten Tage ein supergutes Beispiel für das, was man neuerdings „postfaktisch“ nennt. Da verkündet doch ein Schreiber mit vollem Ernst, Russland sei eine Friedensmacht, die Nato und die USA seien Mächte, die Krieg brauchen und wollen. Das ist doch wirklich jenseits der Faktenlage. Da überfällt – mit nicht gekennzeichneten Soldaten – grünen Männchen – der russische Staat den Nachbarstaat Ukraine und annektiert mal eben so einen Teil davon – die Krim. Weil der früher einmal zu Russland gehört habe.

Das Vorgehen ist durch Zeugenberichte hinreichend gesichert. Das ist doch ebenso gut als wenn die Deutschen in Elsass-Lothringen einfallen würden. Dann unterstützt und bewaffnet der russische Staat – er leugnet das selber kaum noch – einen Aufstand im selbstständigen Staat Ukraine und weigert sich hartnäckig, diese Unterstützung zurückzunehmen – obwohl er es in einem internationalen Papier – Kiew – versprochen hat. Dann greift dieser russische Staat ohne einen wirklichen Grund brutal militärisch in Syrien ein und lässt Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser bombardieren, um einen brutalen Diktator zu stützen – Assad. Und da gibt es immer noch Menschen, die Russland für eine Friedensmacht ausgeben.

Das ist ein gutes Beispiel für das, was man zurzeit postfaktische Beweisführung nennt. Getreu der Karikatur, in der ein Ehepaar vor dem Fernseher sitzt und einem Redner zuhört. Und der Mann lässt verlauten: „Ist doch egal, ob der die Wahrheit sagt. Für mich zählt, dass er recht hat.“ Eine gefährliche Einstellung. Die hemmungslose Verleugnung einer Realität erinnert sehr an Hitler und Goebbels. Die haben innen heftig aufgerüstet und nach außen hin eifrig und überzeugend von ihrem Friedenswillen geredet; mit dem Tenor: ein Krieg kann doch Deutschland nur schaden – was sich ja bitter bewahrheitet hat.

Natürlich ist nicht alles, was der Westen, vor allem die USA, getan hat, makellos. Der Überfall auf den Irak war ohne Frage ein Verbrechen, das bis heute nicht gesühnt wurde. Aber darüber kann man bei uns offen reden und schreiben – in Russland wäre so etwas lebensgefährlich. Aber im Ganzen steht der Westen fraglos – sagen wir mal: überwiegend – für „Frieden“; was man für Russland und Putin ganz gewiss nicht sagen kann. Aber: ich gebe zu, was wirklich wahr ist, weiß niemand auf dieser Erde – allenfalls weiß es ein „Gott“ – da oben.

Leserbriefe

Friedens-Nobelpreis gegen Atombomben

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Der Appell“ vom 7. Oktober. Es kommt selten vor, dass ein Kommentar von Wolfgang Molitor in der Nürtinger Zeitung Zustimmung finden kann, aber diesmal hat er mit Recht den Friedensnobelpreis gelobt, den die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von…

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