Leserbriefe

Gut und Böse: Das hat Methode

15.08.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Führerschein-Entzug? Politik macht Druck auf säumige Väter“ vom 10. August. Als ich die „NZ“ in die Hand nahm, hätte ich an der Decke spazieren gehen können. Da steht doch tatsächlich in der Schlagzeile: „Politik macht Druck auf säumige Väter“! Und schon wieder geht das Gespenst um vom verantwortungslosen Gesellen. Freilich ist es so, dass trotz marginaler Verbesserungen im Kindschaftsrecht und der Rechtspraxis die Kinder bei einer Scheidung geradezu automatisiert den Müttern hinterhergeworfen werden. Deshalb gibt es zwangsläufig mehr säumige Väter als Mütter.

Viele Richter (meist sind sie männlichen Geschlechts) nehmen sich eben ihr eigenes Familienbild zum missratenen Vorbild. Mami ist für Kinder, Küche und Kirche zuständig, Papi rollt die Brötchen an. Mami drückt während der Verhandlung ein paar Tränen ab, ond d’r Kittl isch g’flickt. So ticken viele wirklich, ich hab’s oft genug erlebt. Wenden wir uns ab von richterlichen Familienfantasien, lügenden Gutachtern (auch erlebt), deren fürchterlichen Folgen und dem wahren Leben zu.

Zwischen 80 und 90 Prozent aller Väter zahlen pünktlich den Kindesunterhalt. Vom Rest können die meisten anderen auch beim besten Willen nicht zahlen. Da nützen dann auch Strafen gleich welcher Art gar nix! Bei den seltenen zahlungspflichtigen Müttern sieht die Sache ganz anders aus und im Unterschied zu säumigen Vätern haben die höchst selten mit Konsequenzen zu rechnen.

Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht – warum wohl? Aber wir haben unsere Erfahrungswerte. Das mit der Verteilung von Gut und Böse auf die Geschlechter hat nicht nur Tradition, sondern auch Methode. Negativ besetzte Wörter werden ausschließlich auf Männer angewendet, bei positiv besetzten oder neutralen Begriffen ist die vorangestellte weibliche Form Pflicht.

So kennt jeder Bürgerinnen und Bürger, Wählerinnen und Wähler, Autofahrerinnen und Autofahrer. Und wie ist das mit Diebinnen und Dieben, Mörderinnen und Mördern, Unterhaltsverweigerinnen und Unterhaltsverweigerern? Komisch. Mir fällt kein einziger sachlich nachvollziehbarer Grund dafür ein. Kann mir dabei „jemand/e“ auf die Sprünge helfen?

Leserbriefe

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