Leserbriefe

Grundübel Börse

24.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus Schorr, Nürtingen. Die Weltfinanzkrise ist in aller Munde. Wir sprechen hier wahrlich nicht von Peanuts, es dreht sich weltweit um Billionen. Aber wo ist das Geld? Geld kann ja nicht einfach verschwinden, aber das will uns keiner erklären.

Ich kann es mir gut vorstellen, wo das Geld sitzt! Es befindet sich auf vielen Nummernkonten verschiedener Broker und Banker von der Schweiz über Liechtenstein bis hin zu den Kayman Islands. Und daran haben die paar amerikanischen Kleinbürger, denen die jetzt so verschuldeten amerikanischen Großbanken billige Kredite eingeräumt haben, nur einen Bruchteil der Schuld, wie Rainer Wehaus in seinem am Mittwoch erschienenen Leitartikel sowie viele prominente Politiker und Wirtschaftsbosse uns glauben machen wollen.

Der Neoliberalismus oder auf gut Deutsch Turbokapitalismus fängt unter dem Deckmantel der Globalisierung über die vielen Jahre so langsam an sich selbst aufzufressen. Die nicht enden wollende Profitgier der machthungrigen Wirtschaftsbosse wird am Grundübel der Menschheit, dem Jobkiller Nummer eins, der Börse nämlich, deutlich.

Dort werden täglich Riesengewinne erzeugt mit fiktivem Geld-um-den-Globus-Geschiebe. Einige wenige kassieren, der Rest soll gucken, wo er bleibt. Jetzt hat dieser Börsenwahnsinn seinen Alarmpunkt erreicht. Und auf einmal schreit die Wirtschaft nach dem Staat.

Dann bitteschön hat „der Staat“ aber auch das Recht, im Interesse vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen, seinen Daumen auf die dunklen Machenschaften der Hedgefonds-Genossen zu drücken. Und genau das will Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, was aber noch lange nicht heißt, dass wir zurück zur Planwirtschaft kehren, wovor einige hochrangige CDU-Politiker in geradezu populistischer Hetzkampagnen-Manier das Volk einzuschüchtern gedenken. Aber vielleicht haben die Herren ja auch ein Konto auf den Kayman Islands!

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