Leserbriefe

Griechenland und die Reformen

10.02.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Martin Urban, Neckartenzlingen. Zum Kommentar „Schluss mit lustig“ vom 4. Februar. Christoph Reisinger liegt mit seiner Kritik an den griechischen Verhältnissen gleich mehrfach daneben. Im Ton fast unerträglich arrogant, überheblich und zynisch, glaubt der Schreiber, er wäre dazu berechtigt, eine gerade erst demokratisch gewählte Regierung zu schulmeistern.

Bei der Lektüre seiner Zeilen fällt vor allem auf, dass wir absolut nichts darüber erfahren, was die sogenannten „Reformen“ beziehungsweise die „Hilfen“ in den letzten vier Jahren den Griechen gebracht haben sollen. Müssen die Journalisten der „Mainstreampresse“ inzwischen gar nicht mehr selbst recherchieren?

Aber womöglich darf er ja gar nicht darüber informieren, welche Schäden die maßgeblich von Frau Merkel gewünschte neoliberale Kürzungspolitik in den letzten Jahren in Griechenland angerichtet hat. So beträgt die Arbeitslosigkeit inzwischen rund 26 Prozent, bei den 15- bis 25-Jährigen sogar 51 Prozent. Die Löhne fallen und die öffentliche Gesundheitsvorsorge ist zusammengebrochen.

Sämtliche seit dem Jahr 2010 eingeführten „Reformen“ haben also absolut nichts gebracht, ganz im Gegenteil ist die Verschuldung des Landes in diesem Zeitraum sogar noch angestiegen!

Der Kommentator findet es befremdlich, dass Ministerpräsident Tsipras seine vor der Wahl angekündigten Versprechen auch möglichst einlösen will. Was sollte daran falsch sein? Ein demokratisch gewählter Ministerpräsident versucht nach Kräften, zu guten Lösungen für sein Land zu kommen! Was für ein Demokratieverständnis offenbart uns hier der Schreiber?

Das Ziel all dieser Agitationen ist klar: Tsipras und die Syriza müssen scheitern, sonst steht die neoliberale Agenda auf dem Spiel, und diese Angst vor allem ist es, die auch den Schreiber umtreibt. Es darf also auf keinen Fall bewiesen werden: Es gibt eine Alternative zur herrschenden Lehre. Dann bestünde nämlich die große Gefahr, dass auch Franzosen, Spanier und Italiener sich von der aktuellen Politik abwenden. „Man kann das ganze Volk eine Zeit lang täuschen und man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen, aber man kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen.“ (Abraham Lincoln)

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe