Leserbriefe

Griechenland als Chance?

04.03.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Das Vertrauen in Europa schwindet“ vom 26. Februar. Hier bestätigt diese Zeitung, dass mittlerweile mehr als ein Drittel der Deutschen den Euro-Austritt will. Ein weiteres Indiz, dass die Europapolitik unter Führung der deutschen Kanzlerin und des Finanzministers Schäuble gescheitert ist.

Mehr als fünf Jahre schon wird die Macht in Europa zur Bewältigung einer selbst verursachten Finanzkrise nicht mehr von gewählten Volksvertretern ausgeübt, sondern von Funktionären, die ihre hoch bezahlten Jobs in der EU-Kommission, der EZB und im IWF zum eigenen und zum Vorteil der allmächtigen Banken missbrauchen.

Der TV-Sender Arte hat in „Macht ohne Kontrolle – Die Troika“ erschreckend dokumentiert, was aus Europa geworden ist, weil noch immer die falschen Ziele aus dem letzten Jahrhundert verfolgt werden: Abbau der Sozialleistungen, Privatisieren (also Verschleudern) öffentlicher Güter wie Wasserwerke und schrankenlose Finanzmärkte. Die Völker müssen das bezahlen und die sowieso schon Reichen profitieren maßlos.

Diese Reichen zahlen aber nicht einmal Steuern – in Griechenland nicht und leider auch in Deutschland nur sehr wenig. „Wer rettet wen?“ heißt ein ebenfalls hervorragender Kino-Film, der von Tausenden Förderern finanziert wurde und im Februar angelaufen ist.

Die vielen Milliarden für die angeblich „faulen“ Griechen sind bei den Menschen nie angekommen, sondern haben hauptsächlich französische und deutsche Banken „gerettet“, nachdem sie vorher Milliarden-Gewinne abkassiert hatten – auch mit Krediten für U-Boote und andere Waffengeschäfte, die mit Bestechung durch deutsche Firmen „vergoldet“ wurden.

Das ist die Wirklichkeit in einem Europa, welches die Menschen zuerst freudig begrüßt haben als Beginn einer neuen Zeit des Friedens und des Wohlstands für alle. Deutschland hat besonders profitiert, weil uns 1953 viele Völker geholfen haben mit Schuldenerlass und Marshallplan. Nur dadurch wurde das „deutsche Wirtschaftswunder“ möglich – sonst wäre Deutschland von seinen Schulden erdrückt worden. Aber Griechenland, auch Spanien und Portugal, wurden nicht von Schulden befreit und lebensfähig gemacht, sondern systematisch ausgebeutet und kaputtgespart bei gleichzeitiger Steigerung der Schuldenlast. Jetzt fordern die Völker demokratisch die Rückkehr zur Teilhabe am Leben und wenden sich ab von Korruption und Troika.

Griechenland ist eine neue Chance für den Wandel in ganz Europa mit neuer, besserer Politik. Wir sollten sie nutzen.

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