Leserbriefe

Gesellschaft und Prostitution

10.01.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal. Zum Artikel „Die Mär von der selbstbestimmten Hure“ vom 30. Dezember. Frauen, die ihren Körper verleihen, damit Männer ihren Testosteronanfall in den Griff bekommen oder „folgenlos“ in den Arm genommen werden können, erfuhren in alten Kulturen und Religionen häufig eine andere gesellschaftliche Bewertung als sie in aktuellen Köpfen stattfindet.

Der für uns prägende körperfeindliche Katholizismus unterwarf beglückenden oder selbstbefriedigenden Sex innerhalb und außerhalb der Ehe „göttlicher Rache“. Er sorgte auch zeitüberschreitend dafür, dass Maria keinem Mann beilag, sondern nötiges Sperma in geistiger Form verabreicht bekam – letztlich als „nicht zu widerlegende“ indirekte Begründung eines himmlischen Auftrags für Kirche.

Man implizierte damit gleichzeitig (ungewollt – später durchdacht) hintergründig feindliche Geschlechtlichkeit der Frau – nicht die des Samenspenders, also auch nicht des heimlichen Vergewaltigers, eines Gottes. Lustvoll gealterte Extremisten, die das Sagen hatten, Macht beziehungsweise materiell interessiert, eine Enthaltsamkeit per Zölibat dann noch in die Welt setzten, krönten später unter anderem mit Hexenverbrennungen nach peinlicher Befragung bei Doktorspielen mit glühenden Eisen ihre „notwendigen christlichen Werke“. Offiziell hatte diese Art Menschenliebe gute Argumente, denn das Luziferische in menschlichen Köpfen konnte Kirche eindeutig personalisieren, delegieren und bibelgerecht aufarbeiten, damit die „Heilfunktion für Stadt und Erdkreis“ ihre eigentliche Bestimmung erfüllen konnte.

Es ist also nicht verwunderlich, dass insbesondere Huren, „die gottloseste Form der Frauen“, im christlich vorgeprägten Gedächtnis von Gesellschaften nicht gut wegkommen. Sie leben bis heute eine notdürftig akzeptierte Existenz, erfahren Gleichgültigkeit bis Missachtung, begleitet von entsprechend gering verfolgter oder schlecht verfolgbarer Gewalt beziehungsweise Versklavung. Im Grunde sind gerade diese Frauen eine Hygieneeinrichtung für Bevölkerungen. Wie schon gesagt, dienen sie Aggressionsabbau bei Männern, auch Zuwendung – letztlich allen, insbesondere allen Frauen direkt beziehungsweise indirekt.

Akzeptanz und dringender Schutz dieser Mitbürgerinnen müssen also im Allgemeininteresse liegen. Sichere, übergriffsfreie, ausschließliche Begegnungsstätten bei einer speziellen Mindestlohngarantie plus freien Zuschlägen bei sozialer Absicherung wären für alle Beteiligten eine faire, Menschen achtende Lösung, die dazu unseren Rechtegelöbnissen entspricht. Beigefügte Einrichtungen für homosexuelle Männer wären übrigens nur folgerichtig und ehrlich.

Leserbriefe

Hotel und Biergarten – aber kein Betonbunker

Alfred Schmidt, Nürtingen. Zum Artikel „Hotel mit Biergarten am Neckar“ vom 18. Mai. Ich stimme Herrn Raimund Braun (NT 14) voll zu, wenn er die Architektur des „Hotelneubaus“ kritisiert. Recht hat er, wenn er ein Satteldach und eine Verkleinerung des Baukörpers fordert. Dann würde sich das…

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