Leserbriefe

Gemeinschaftsschule steht im Kreuzfeuer

06.02.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Kein Gymnasium will Gemeinschaftsschule werden“ vom 2. Februar. Die Opposition in Stuttgart drängt mit aller Gewalt zurück an die Macht. Da scheint kein Vorwurf zu billig, der Landesregierung ihre angeblich verfehlte Bildungspolitik um die Ohren zu hauen. Besonders die Gemeinschaftsschule steht im Kreuzfeuer. Nach knapp vier Jahren sind fast 300 solcher Schulen an den Start gegangen. Also geht die Nachfrage zurück. Für die Opposition der Nachweis des Scheiterns. Wenn aber ein Bauer seine Kartoffeln verkauft hat, sagt man auch nicht, die Ernte war schlecht.

Auch in Nürtingen malen manche Helden der Bildung den Niedergang deutscher Schulen an die Wand. Beifall bekommen sie von denen, die in der Gemeinschaftsschule eine Aufweichung ihrer persönlichen Qualifizierung befürchten. Das habe ich lange genug in einem Kollegium erlebt, in dem der Wissenschaftler ebenso vertreten war wie der Handwerker. Es hat über zwei Jahrzehnte gebraucht, bis wir gemerkt haben, dass wir derselben Sache dienen und nur dann erfolgreich sind, wenn wir nicht uns sondern die Schüler als Maß nehmen. Meine Kollegen vom MPG haben schon in den Siebzigern gesungen „Und ist es ihr bei uns zu schweher, geht sie einfach auf den Säer“. Nachdem ich dort oben vierzig Jahre lang alle Bildungsstufen unterrichtet habe, kann mir keiner mehr die Story vom Pferd erzählen. Manchem Nachkömmling jener Kollegen haben wir den Weg zum Abitur geebnet. Das dreigliedrige Schulsystem trennt nicht Dümmere und Gescheitere, sondern Schnellere und Langsamere (sowie ökonomisch ungleiche). Beide nehmen sich aber im selben Klassenverbund mit Schwerpunktförderung gegenseitig nichts. Und wer Elite braucht, der kriegt sie doch, denn niemand schafft das Gymnasium ab.

Zu einer meiner wenigen sicheren Erkenntnisse nach 40 Jahren Lehrerdasein hat mir ein Mädle der zweijährigen Berufsfachschule verholfen. Ob sie dümmer sei als die Mädels im Gymnasium zwei Klassentüren weiter? Da habe ich spontan gesagt: Nein, nur noch nicht ganz so flink.

Leserbriefe

Die Stomleitung in den Boden verlegen

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Wohnungsbau im Gewann Wasserfall“ vom 13. Juli. „Zur Hochspannungsleitung halten wir dabei gebührend Abstand“, meint Stadtplanerin Schreiber bei der Vorstellung der Wohnbaupläne am Schelmenwasen. Diese Maßeinheit bedarf einer Präzisierung: Was ist…

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