Leserbriefe

Gelebte Solidarität?

26.11.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Siegfried Opifanti, NT-Raidwangen. Die Anschläge vom vorvergangenen Wochenende sind so furchtbar, dass es mir nicht möglich ist, die richtigen Worte dafür zu finden; zu grausam, menschenverachtend und schlicht böse sind diese Taten. Die daraus erfolgte Solidarität mit den Terror-Opfern ist unglaublich wichtig und notwendig, tut allen gut und zeigt, dass Menschen in der Not länderübergreifend zusammenstehen, mitfühlen und helfen.

Nach den Anschlägen galten meine Gedanken aber auch meinen muslimischen Arbeitskollegen, welche schon viele, viele Jahre im Ländle einfach vollständig in unserem Leben und Alltag integriert sind, trotz oder auch mit ihrem muslimischen Glauben. Ich fragte einen meiner muslimischen Kollegen, wie es ihm persönlich mit beziehungsweise nach den Anschlägen ginge. Seine Antwort darauf war eindeutig: Schlecht, sehr schlecht gehe es ihm nach den Anschlägen. Er fühle mit den Opfern und Angehörigen und betonte, dass er Terrorismus jedweder Form ablehne und verurteile. Doch nun habe er auch Angst um seine Familie, besonders um seine Frau, welche nun wohl das Kopftuch ablegen müsse, um weniger Angriffsflächen zu bieten oder damit irgendwelche Mitmenschen womöglich zu provozieren. Traurig, aber wohl wahr.

So viel zu unserer Religionsfreiheit. Aber das ist ein anderes Thema. Seine Ängste sind für mich nachvollziehbar und bereiten mir und ganz sicher auch anderen große Sorgen. Er sagte aber noch etwas. Etwas, was mich persönlich sehr beschämte. Er fragte mich nämlich, wie es mir denn nach den Anschlägen in Ankara ging. Gerade mal knapp einen Monat her, 86 Tote und 186 Verletzte. Die Frage ist gerechtfertigt und traf mich sehr. Ich persönlich nahm den Anschlag zur Kenntnis. Das war es dann wohl aber auch schon, für mich und auch andere. Keine oder nur wenige Solidaritätskundgebungen auf sozialen Netzwerken, kein in Rot-Weiß getauchtes Brandenburger Tor, keine Brennpunkte und Sondersendungen dazu im TV, jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Ich schäme mich dafür, dass ich wohl doch nur dann richtig betroffen bin, wenn es um meinen Kulturkreis geht, obgleich der Terror in Ankara derselbe ist wie in Paris. Oder doch nicht?

Leserbriefe

Die Stomleitung in den Boden verlegen

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Wohnungsbau im Gewann Wasserfall“ vom 13. Juli. „Zur Hochspannungsleitung halten wir dabei gebührend Abstand“, meint Stadtplanerin Schreiber bei der Vorstellung der Wohnbaupläne am Schelmenwasen. Diese Maßeinheit bedarf einer Präzisierung: Was ist…

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