Leserbriefe

Gehen die „guten Argumente“ aus?

08.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jürgen Klein, Unterensingen. Zum Artikel „Sprengung mit Gottes Segen“ vom 2. September. Als Herr Schmiedel, der SPD-Fraktionsvorsitzende von Baden-Württemberg, vor einer überschaubaren Menschenmenge am 27. August auf dem Schlossplatz feststellte, dass „Gottes Segen“ über dem Projekt S 21 steht und er und seine Mitstreiter „die Guten“ wären, hatte er wohl nicht seinen besten Tag erwischt. Im 2. Gebot steht nämlich: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht“. Hoffentlich trifft Gottes Strafe Herrn Schmiedel nicht zu hart, denn es geht ja nur um einen Bahnhof, wie die Befürworter immer wieder gebetsmühlenartig betonen. Dass seine Kinder nach Vollendung von S 21 mit der Bahn in die ganze Welt reisen könnten und dies auch noch laut beklatscht wurde, offenbarte das ganze Niveau der Veranstaltung. Offensichtlich waren die Klatscher so geblendet von den göttlichen Argumenten Schmiedels, denn man kann ja bereits heute mit der Bahn in die ganze Welt reisen!

Die sogenannten „guten Argumente“ werden immer dünner und die Gesetzesübertretungen – insbesondere bei der Finanzierung – treten immer offener zutage. Auch dass unser Verkehrsminister Herrmann seit Wochen eine aktuelle Kostenaufstellung von der Bahn fordert und diese mit fadenscheinigen Argumenten in die ferne Zukunft verschoben wird, lässt nichts Gutes erahnen. Ob wir nach der Volksbefragung wohl die ganze Wahrheit erfahren? Die angeblichen „hohen Kosten“ des Kompromissvorschlages von Geissler wurden sowohl von der Bahn, der CDU, der SPD und natürlich von OB Schuster innerhalb weniger Stunden problemlos durchkalkuliert! Auch wird jetzt behauptet, dass 60 Prozent der Stuttgarter Bevölkerung für den unterirdischen Bahnhof sein sollen. Da sprechen die vielen tausend Menschen, die jede Woche gegen das unsinnige Projekt auf die Straße gehen, eine ganz andere Sprache.

Leider spiegelt sich diese Tatsache immer weniger in der Presse wider. Aber auch von Fukushima hört man nichts mehr. Die Menschen sind gesättigt und stumpfen ab. Die Bevölkerung soll mit Werbesprüchen und falschen Behauptungen auf Linie gebracht werden. Man sollte aber nicht den Widerstand gegen das irrsinnige Projekt unterschätzen, denn da ist noch viel Kraft und Kreativität vorhanden. Vielleicht ist Gott aber auch auf der Gegnerseite, denn unterirdische Dinge sind eigentlich die natürliche Wirkungsstätte des Teufels; oder nicht?

Leserbriefe