Leserbriefe

Gar kein großartiges Bahnprojekt

19.10.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Nach Wandas Taufe beginnt die Arbeit“, vom 7. Oktober. Mit großer Begeisterung der regionalen Prominenz wurden am Albvorlandtunnel die Bohrmaschinen getauft. Die Wendlinger Geistlichkeit beider großen Konfessionen hat sich für diesen Missbrauch des Taufsakraments zur Verfügung gestellt und den Bau und die Bauarbeiter gesegnet. Es ist ja einfach schöner und kann nichts schaden, wenn dieses umstrittene Unternehmen eine religiöse Weihe erhält. Was der dabei angerufene Gott davon hält, wissen wir nicht genau, doch ich glaube, dass er sich eher entsetzt abgewendet hat.

„Großartig“ finden die Taufzeugen und die Besucher das Projekt. Dabei ist es nur ein Zeichen für den menschlichen Machbarkeitswahn. In einer Mischung von Machtgefühl und Arroganz haben die Befürworter von S 21 und von der Neubaustrecke bisher alle Bedenken zurückgewiesen.

Der immer noch anhaltende Protest der Montagsdemonstrationen und der zurückliegenden Großdemos wurde ignoriert. Fachleute, die auf die Risiken des Baus hinweisen, werden wie Dummköpfe abgetan.

„Großartige“ Kosten von zehn Milliarden Euro (10 000 000 000) werden behandelt als seien sie eine Kleinigkeit. Zehn mal 1000 Millionen werden zum Fenster rausgeschmissen unter Jubelgeschrei der Verantwortlichen aus der Region, obwohl die Wendlinger und Kirchheimer den Zügen nur werden hinterherschauen können.

Dafür wird es dann einen Dorfbahnhof in Merklingen geben. Dafür wächst ausgerechnet zwischen Stuttgart und Ulm laut Minister Wolf Europa zusammen.

Und Gottes Segen liegt, wenn er schon erbeten wird, auf der Ruhe, auf der Stille, auf den Sonntagen, an denen es im Tunnel keine Feiertagsruhe geben wird. Die von Herrn Pofalla prophezeiten Güterzüge wird es auf der Neubaustrecke nie geben und am Ende wird es so gehen, wie mit dem Berliner Flughafen. Aus Sicherheitsgründen wird der Schrägbahnhof nie eine Betriebsgenehmigung bekommen.

Und übrigens: Der Bohrmaschine bei Rastatt haben Taufe und Segen nichts genützt. Nach nur kurzer Tätigkeit hat sie ihr vielleicht ewiges Betongrab gefunden.

Die DB sollte dort aktiv werden, wo es bisher nicht zu entschuldigende Versäumnisse gibt. Die international wichtige Strecke von Stuttgart nach Zürich–Mailand ist immer noch ab Horb eingleisig auf Nebenstreckenniveau. Die politische Prominenz sollte sich auch mal darum kümmern statt zu jubeln, wo es keinen Sinn macht.

Leserbriefe

Nicht nur gegen die AfD demonstrieren

Eugen Wahl, Nürtingen. Zum Artikel „Ein Austausch um jeden Preis?“ vom 8. Dezember. Es hat sage und schreibe anderthalb Jahre gedauert, bis der Fachrat für Interkulturelle Zusammenarbeit (FIZ) endlich zur Kenntnis genommen hat, dass der vom Oberbürgermeister, dem Integrationsbeauftragten, dem…

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