Leserbriefe

Ganz steil aufwärts geht es nach Ulm

17.08.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zu den Bildern der Woche „Bauen im XXL-Format“ vom 5. August. Imposante Bilder zeigen Baustellen der ICE-Neubaustrecke nach Ulm, die vor 20 Jahren geplant wurde, um die bewährte „Geislinger Steige“ zu ersetzen, eine wunderschöne, aber sehr steile Bahnstrecke, auf der schwere Güterzüge nur mit zwei Lokomotiven fahren können.

Nicht erkennbar auf den Bildern sind allerdings die „Kollateralschäden“ dieser 3,5 Milliarden teuren Lösung: Auf der Neu-Baustrecke (NBS) können Güterzüge überhaupt nicht mehr fahren, denn sie wird noch steiler! Der neue Scheitelpunkt liegt 155 Meter höher als bei der angeblich „zu steilen“ Geislinger Steige und entspricht damit der zusätzlichen Höhe des weltberühmten Ulmer Münsters. Sämtliche Züge müssen also immer und ewig 155 Meter höher „springen“ als bisher – ein Schwabenstreich, der auch als „Großer Wurf“ bekannt wurde.

Der Energieverbrauch ist bei dieser extremen Steigung natürlich enorm und wird noch maximiert, weil die Hälfte der Strecke nach Ulm in Tunneln vergraben wird, die als Energiefresser bekannt sind. Dafür bleibt dem Bahn-Reisenden die wunderschöne Alblandschaft verborgen, bevor er dann einige Minuten früher als bisher in Ulm ist und das 161,5 Meter hohe Münster direkt bestaunen kann.

Die vielen Kilometer Tunnel auf dieser Neubaustrecke werden problemlos gebaut, von den Kirchen gesegnet und rührend betreut von „heiligen Barbaras“, zu denen auch Gerlinde Kretschmann gehört. Viel schwieriger sind die 60 Kilometer S21-Tunnel unter den Häusern in Stuttgart: Bei 20 Kilometer davon lauert Anhydrit – auch als Gipskeuper bekannt. Sobald Wasser zum Anhydrit kommt, entsteht ein Quelldruck mit zerstörender Kraft – in Stuttgart bekannt durch den Wagenburg- und den Engelberg-Tunnel. In Staufen sind sogar ganze Stadtteile betroffen. Die Verantwortlichen bei der Bahn und in der Politik wissen genau, welche Anhydrit-Gefahr bei Stuttgart 21 quillt, denn alles steht eindeutig im KPMG-Gutachten, das der Aufsichtsrat schon Mitte 2016 erhalten hat – und sie haben auch arttypisch reagiert: Alles bleibt „geheim“, alle stellen sich taub und die Zerstörung geht weiter. Wie bei dem menschenverachtenden Abgas-Skandal wird auch bei S21 auf „Weiter so“ gesetzt, ein Lieblingsspiel der „Uns geht’s gut“-Kanzlerin Merkel. Wie lange wohl noch?

Leserbriefe

Nicht nur gegen die AfD demonstrieren

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