Leserbriefe

Fundamentale Position einnehmen?

26.11.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Im Nürtinger Stadtbezirk Roßdorf scheint sich etwas sehr Ungutes anzubahnen – im Streit um die Bebauung der sogenannten Nanz-Wiese. Es wird ja wohl kaum ein vernünftiger Mensch behaupten wollen, dass sie ein wirklich existenzielles Problem darstellt. Eigentlich ist der Fall doch recht einfach: es gibt zu einem lokalen Problem zwei verschiedene Meinungen, die sich die betroffenen Menschen je zu Eigen machen: die einen sehen in ihr ein günstig zu bebauendes Gelände, um schnell zu dringend benötigten Wohnungen zu kommen; die anderen wollen das bisschen Freifläche erhalten und warnen vor den Gefahren durch die Hochspannungsleitung.

Ohne Frage sind beide Positionen berechtigt und mit guten Gründen vertretbar. Und eigentlich ist es von unserem Grundgesetz her auch klar, wer letztlich die demokratische Entscheidung fällen muss: der Gemeinderat. Klar: jeder kann für seine Meinung kämpfen. Aber er verlässt den Boden des demokratischen Rechtsstaates, wenn er fest daran glaubt, seine Ansicht sei absolut und endgültig die einzig richtige, für die man gegebenenfalls „mit allen Mitteln“ kämpfen dürfe oder gar kämpfen müsse. Das ist terroristisches Denken.

Hier wird ein eigentlich relativ kleiner Fall zum Anlass genommen, fundamentale Positionen einzunehmen. Dabei werden alle, die anderer Meinung sind, zu so etwas wie Feinden erklärt, die man „mit allen Mitteln“ bekämpfen muss. Wenn Menschen ihre eigene Meinung zur absolut und einzig richtigen erklären, für die man „mit allen Mitteln“ (was kann denn da alles gemeint sein?) kämpfen muss, dann haben sie den Boden der Demokratie verlassen und sind ins Lager der Extremisten übergetreten. Und mit dergleichen haben wir ja genug verheerende Erfahrungen machen müssen. Der Nationalsozialismus war eine solche absolute Ideologie in unserer Geschichte; den Extremismus im muslimischen Bereich bekommen wir gerade vom sogenannten „Islamischen Staat“ vorgeführt.

Vor dem Weg dorthin sollten wir uns sehr hüten; denn die extremistische Grundeinstellung ist für viele Menschen immer sehr verführerisch, weil sie die sonst so komplizierte Welt so herrlich vereinfacht. Sie hat allemal schreckliche Folgen. Zur Demokratie gehört unabdingbar die Achtung vor der Meinung des Anderen – und die Akzeptanz der von den gewählten Gremien gefällten Entscheidungen.

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