Leserbriefe

Für neues Finanzsystem

16.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Martin Urban, Nürtingen. Zum Kommentar „Plan B“ vom 14. Oktober. Natürlich wird Bundesfinanzminister Steinbrück mit seinem Vorhaben, die maßlose Überversorgung der Bankmanager zu kürzen, große Zustimmung finden, damit allein ist es jedoch sicher nicht getan. Was fehlt, sind Regelungen, die künftig verhindern werden, dass Fehlentwicklungen, wie sie aktuell eingetreten sind, sich in Zukunft wiederholen können.

Zu diesem Zweck müssen die Kontrollen im Finanzsektor wesentlich verstärkt werden. Es bedarf einer internationalen Regulierung und diese Regulierung muss schnell kommen, sehr schnell! Die Anleger sogenannter „Hedgefonds“, die Manager von „Heuschreckenfirmen“ und natürlich auch die Verkäufer all der „innovativen“ Finanzprodukte hoffen nämlich nach wie vor, dass sich die eingetretene Krise letztlich nur als eine Art Betriebsunfall des Systems erweisen wird. Viele Bundesbürger hätten es sich aber sicher gewünscht, dass diese Krise noch mehr als bisher als ein Ergebnis der vollkommen verfehlten Politik in den letzten Jahren gesehen worden wäre.

Deutschland hat zu Merkels und zu Schröders Zeit Regeln abgebaut, das Verbot für Hedgefonds aufgehoben und die Steuern bei Gewinnen von Unternehmenskäufen und Verkäufen abgeschafft. Wir brauchen nicht mehr und nicht weniger als ein grundlegend neues Finanzsystem. Mit „Weiter so“ ist es künftig also ganz sicher nicht getan. Der Markt reguliert sich eben nicht von selbst, von der Globalisierung profitieren längst nicht alle und staatliche Eingriffe müssen der Wirtschaft keineswegs schaden.

Das vorliegende Maßnahmenbündel muss daher zwingend noch um weitere Regeln und Beschränkungen ergänzt werden. Ganz offensichtlich fällt es den Politikern jedoch unendlich schwer, von den alten neoliberalen Glaubenssätzen wieder herunterzukommen. Gar so viel Zeit sollten sich unsere Volksvertreter damit jedoch nicht lassen. Bisher ging es jedenfalls lediglich um Krisenmanagement.

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