Leserbriefe

Frauen werden in ihren Rechten beschnitten

26.03.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Juliane Rähme, Nürtingen. „Nürtinger Hebamme gibt auf“ vom 5. März. Ich kann es nicht fassen, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Hausgeburtshebammen so verschlechtert haben. Was bedeutet dies für uns Frauen, wenn es keine Hebamme mehr gibt, die uns auch zu Hause während der Geburt begleiten kann?

Ich sehe dies als Beschneidung der Rechte der Frauen. Im fünften Buch im Sozialgesetz Paragraf 24f (Entbindung) ist verankert: „Die Versicherte hat Anspruch auf ambulante oder stationäre Entbindung. Die Versicherte kann ambulant in einem Krankenhaus, in einer von einer Hebamme oder einem Entbindungspfleger geleiteten Einrichtung, in einer ärztlich geleiteten Einrichtung, in einer Hebammenpraxis oder im Rahmen einer Hausgeburt entbinden.“

Wie soll sich eine Frau für eine Hausgeburt entscheiden, wenn die Hebammen durch gesetzliche Rahmenbedingungen in ihrer Arbeit blockiert und finanziell so belastet werden, dass sie von ihrem Verdienst weder sich noch ihre Familie ernähren können.

Die Entwicklung eines Kindes erfolgt einem individuellen Zeitplan. Die Mehrzahl aller Babys kommen nicht am errechneten Geburtstermin zur Welt. Es ist normal, dass ein Kind um zehn Tage davor oder danach die Geburt auslöst. Ich denke nicht, dass Gesetze bestimmen dürfen, nach wie vielen Tagen eine Geburt eingeleitet werden muss, welche medizinischen Eingriffe durchgeführt werden sollen, damit eine gesunde Schwangere Frau einen gesunden Säugling auf die Welt bringen kann.

Jede Frau sollte selbst entscheiden können, an welchem Ort und unter welchen Bedingungen sie diesen heiligen Moment der Geburt erleben möchte. Das heißt für mich, dass es den Hebammen ermöglicht werden muss, eine Frau während der Geburt auch zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung in Geborgenheit und Wohlbefinden zu begleiten, um einem neuen Menschen das Leben zu schenken.

Ich sehe die Arbeit der Hebammen für unsere Gesellschaft als sehr wichtig an. Die Arbeit der Hebammen trägt zu einer positiven Entwicklung unserer Gesellschaft bei. Sie begleiten und stärken Frauen und Männer auf dem Weg im Umgang mit ihrem Säugling und legen somit einen wichtigen Grundstein für eine sichere, vertrauensvolle Bindung zwischen Eltern und Kindern.

Ich bin der Meinung, dass das Ende der Hausgeburten Auswirkungen auf die Stellung der Frauen in unserer Gesellschaft haben wird. Frauen haben das Recht über sich und ihren Körper selbst zu entscheiden. Eine Geburt ist etwas sehr intimes. Es gibt Männer, die an ihrem Arbeitsplatz nicht die Toilette für ihr großes Geschäft aufsuchen, weil sie sich dieses Grundbedürfnis für den vertrautesten Ort „ihr zu Hause“ aufheben, an dem sie sich wohlfühlen.

Leserbriefe

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