Leserbriefe

Frau Merkel hat aus- und aufgeräumt

08.06.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum „Im Nachhinein“ vom 5. Juni. Meine Idee, der Bundeskanzlerin den Nürtinger Wolfgang Ischinger als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vorzuschlagen, ist entstanden, bevor am 31. Mai auch nur ein Kandidatenname in den Medien gehandelt worden ist. Ischinger kam mir in den Sinn, nachdem die ersten Erklärungen der Politiker und Journalisten einhellig lauteten, man müsse das nunmehr verwaiste Amt aus taktischen Spielchen heraushalten. Ein frommer Wunsch. Abends habe ich Frau Merkel meinen Vorschlag geschickt, wohl wissend, dass aus den Niederungen der Provinz kaum was ins Zentrum der Postenschieberei vordringt.

Tags darauf ging derselbe Vorschlag auch an die Parteizentrale der SPD. Von dort kam – im Gegensatz zur CDU – prompt die Antwort, ich möge verstehen, dass gerade sehr viele solcher Vorschläge eingehen, man werde aber alle Vorschläge sichten und prüfen. Immerhin. In der turbulenten Geschäftigkeit nach Köhlers Rücktritt eine unerwartete und achtbare, bürgernahe Reaktion, auch als automatische Serienantwort.

Mittlerweile haben sich Regierung und Opposition festgelegt, die Kampfwägen sind eingespannt, und das Rennen ist womöglich offener, als es manchem recht ist. Eines aber ist jetzt schon entschieden: Die Kanzlerin hat nicht staatsfrauisch gehandelt, sondern parteitaktisch. Der an die Adresse von Köhler gerichtete Vorwurf, er habe seinem Amt durch einen vorschnellen, beleidigten Abgang geschadet, trifft nun auch Frau Merkel, anders zwar, aber für mein Gefühl deftiger als Herrn Köhler. Hat dieser erlebbar emotional reagiert, regiert bei Frau Merkel Parteitaktik und Machterhalt. Nach Kohl, Merz, Schäuble, Stoiber, Oettinger und Koch hat sie jetzt einen weiteren Konkurrenten entsorgt und erstmalig mit Ministerin von der Leyen auch eine Frau zurechtgestutzt.

Nie zuvor hat ein Regierungschef im eigenen Lager so gnadenlos auf- und ausgeräumt. Nach der Bundespräsidentenschaft kommt für Herrn Wulff, sofern er denn siegen sollte, politisch nichts Größeres mehr. Zudem wird er sich auf nur eine Amtsperiode einstellen müssen. Denn die Regierung Merkel-Westerwelle hat erkennbar fertig.

Leserbriefe

Verkehrsprobleme werden nicht gelöst

Raimund Popp, Nürtingen. Zum Artikel „Der Sieger kommt aus der Schweiz“ vom 20. September. Bevor die Umsetzung der Bahnstadt beginnt, muss der Kreuzungsknoten beim Amtsgericht nachweislich gelöst werden. Eine kleine Übersicht zum Plan der Bahnstadt: alle östlichen Häuser direkt an den…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe