Leserbriefe

Flüchtlinge und Zahlen

31.08.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Flüchtlinge und Zahlen: Man sollte mit Zahlen umgehen können. Natürlich erschreckt es, wenn in der Presse berichtet wird, dass ein paar der bei uns aufgenommenen Flüchtlinge aus dem Flüchtlingslager heraus in ihre Heimatländer „zum Urlaub“ geflogen sind. Unmöglich! Aber wenn man mal den Kopf einschaltet, müsste der Schock eigentlich schnell wieder vergehen. Wenn etwa eine Million Flüchtlinge in einem Jahr nach Deutschland kamen, dann ist es doch völlig klar, dass das nicht alles Engel waren. Wie denn auch? Bösewichter sind schon immer recht beweglich gewesen – und nutzen vielerlei Chancen für allerlei Ungutes. Das war noch nie anders.

Die Wirtschaftsflüchtlinge, die in Deutschlands schlechten Zeiten nach Amerika auswichen, die waren keineswegs alle Engel. Die „Flüchtlinge“, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu uns kamen, waren es auch nicht (und obwohl sie Deutsche waren, wurden sie hier nicht immer wohlwollend aufgenommen, bisweilen nicht ohne Grund – es müsste noch Menschen geben, die sich daran erinnern). Wichtig für eine vernünftige Betrachtung sind die Zahlenverhältnisse: wie viele der derzeitigen eine Million Flüchtlinge sind denn da „in Urlaub“ gefahren? Ebenso: wie viele der einen Million sind denn ernsthaft straffällig geworden? Ist es nicht überaus unredlich, immer gleich von „den Flüchtlingen“ zu reden – als hätten sie sich in ihrer Gesamtzahl oder wenigstens in einer Mehrzahl regelwidrig verhalten? „Die Asylbewerber!“

Zum Beispiel: nehmen wir mal an, es waren in der Silvesternacht in Köln 1000 Unholde beteiligt (waren es nicht). Eine Million Asylbewerber, das sind 1000 mal 1000 Menschen, dann waren 999 000 unbeteiligt und zum größten Teil heftig empört. Was nun? Die einmal tausend oder die 999-mal tausend – welche sind „die Asylbewerber“? Die Presse und – rechte – Politiker mogeln uns da etwas vor, weil sie nach Sensationen suchen. Darauf sollte man nicht reinfallen. Ähnlich: wie viele sind denn da „in Urlaub“ gefahren – doch wohl kaum 100 – von einer Million. Ist das erheblich? Die genaueren Umstände weiß scheint’s wohlweislich niemand. Aber es gibt nun mal Menschen, die regen sich gerne auf.

Übrigens: das sicherste Mittel, junge Leute in die Arme von Terrormuslimen zu treiben ist es, Muslime und Flüchtlinge mit pauschalen Abwertungen zu vergrämen. Wirkungsvoller kann man Integration nicht erschweren. Dabei brauchen wir die jungen Leute doch langfristig.

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