Leserbriefe

Fela – oder: Doppelmoral der Kirche

17.08.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heidi Fischer, Nürtingen. Zum Leserbrief „Dem neuen Fela-Team eine Chance geben“ vom 10. August. Als ehemaliges Fela-Kind, Mutter von Fela-Kindern und Mutter von Fela-Betreuern möchte ich meine Gedanken und Fragen an die hauptamtlich Beschäftigten der Nürtinger Kirchengemeinde öffentlich machen! Fela, das ist: Abenteuer, Lagerluft, soziales Lernen, Spaß, Lebensfreude, Naturpädagogik, christliche Werte wie Respekt, Akzeptanz, fairer Umgang, Toleranz! Das und noch viel mehr wird seit 55 Jahren jährlich circa 400 Kindern vermittelt und vorgelebt von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die circa 400 Stunden für die jährliche Vorbereitung und Durchführung investieren, die ihren Sommerurlaub opfern, weite Anfahrtswege in Kauf nehmen, die statt einem gut bezahlten Ferienjob zehn Stunden pro Tag soziales Engagement leisten und dafür nur eine kleine Aufwandentschädigung erhalten. Aber sie tun es mit Spaß und Freude und aus Überzeugung.

Vor circa fünf Jahren versuchte die jetzt entlassene Mitarbeitercrew, den Abwärtstrend des Felas zu stoppen und das Lager wieder zeitgemäß und attraktiv zu machen. Die jungen Leute investierten viel Zeit und Arbeit, gründeten den Fela-Verein und schufen damit neue Strukturen für Organisation und Verwaltung, suchten und fanden neue Sponsoren, betrieben Öffentlichkeitsarbeit – und sie waren erfolgreich: die Kinderzahlen stiegen wieder an, die Kinder sind begeistert, die Eltern wissen ihre Kinder gut und sicher betreut, das Fela ist wirtschaftlich gut gestellt. Nach guter Zusammenarbeit in der Vergangenheit mit hauptamtlichen Jugendreferenten wird 2016 ein neuer hauptamtlicher Jugendreferent eingestellt. Nach meiner Kenntnis geht er seinen eigenen Weg, ignorant gegenüber dem, was Ehrenamtliche in der Vergangenheit aufgebaut haben. Es fehlt vor allem an einem konstruktiven, offenen, wertschätzenden Miteinander, an dem er wenig Interesse zeigt. Als die Ehrenamtlichen von ihren Rechten Gebrauch machen und eine gemeinsame Besprechung einberufen, um die Konflikte offen anzusprechen, dreht der hauptamtliche Jugendreferent ab und nimmt „Machtstrukturen“ für sich in Anspruch. Er erhält die Rückendeckung seines Dienstherrn. Statt einer offenen Aussprache spricht der Dekan ohne Rücksprache mit den Ehrenamtlichen die Kündigung aus. Was für ein Umgang miteinander! Was für eine Demonstration von Macht und negativer „Wertschätzung“. Wie anders die Reaktion der Ehrenamtlichen: Sie sprechen miteinander, zeigen Solidarität und nehmen gemeinsam ihren Hut und leben damit vor, was sie den Kindern vermittelt haben. Auf solche junge Menschen kann unsere Gesellschaft stolz sein! Weil sie authentisch das leben, was sie den Kindern vermitteln, nämlich Gemeinschaft, Teamgeist, Selbstachtung! Weil sie das praktizieren, was die Kirche predigt und hier selbst aber nicht leben kann/will.

Hier möchte ich deutlich meine Kritik aussprechen an die Verantwortlichen unserer Kirche, die die jungen Ehrenamtlichen gerne zum Aufbau des Felas arbeiten ließen, ohne ihnen echte Wertschätzung entgegenzubringen. Waren Würdenträger jemals beim Abendlied dabei, bei einem Gottesdienst, beim Theaterstück? Haben sie den Dialog mit den jungen Menschen gesucht? Wenn sie Kritik anzumerken hatten, wurde diese jemals gegenüber den Ehrenamtlichen in guter Weise formuliert? Leider müssen diese Fragen alle mit einem umfassenden Nein beantwortet werden und die Kirche bleibt ihren Mitarbeitern gegenüber sehr vieles schuldig, vor allem ein ehrliches anerkennendes Miteinander. Die Akteure der evangelischen Kirche in Nürtingen haben junge engagierte Menschen massiv verletzt und sie dadurch verloren! Sie haben den jungen Leuten ihre Träume, ihre Ideen und ihren Idealismus geraubt und eine „christliche Nächstenliebe“ praktiziert, die sie in die Flucht – aus dem Fela, aus der Gemeinde und aus dem christlichen Kontext – geschlagen hat. Es wäre Zeit für die evangelische Kirche für Einsicht, Umkehr und Buße!

Leserbriefe

Der Diesel und die Feinstaubproblematik

Gerhard Mayer, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Kretschmann: Autobauer stehen in der Pflicht“ vom 26. Juli. Man hört sehr viel über den schädlichen Diesel, nahezu alle beteiligen sich an der Hexenjagd, aber was stimmt wirklich? Zunächst wurde der Diesel wegen der Feinstaubemission an den Pranger…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe