Leserbriefe

Es tut sich etwas in unserem Land

06.07.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eberhard Ellwanger, NT-Reudern. Im Bundestag wurde über die „Homoehe“ abgestimmt. Und wieder ist das konservative Lager schwer getroffen und versucht mit der christlichen, juristischen und moralischen Keule dagegenzuhalten. Das mach ich jetzt auch, aber andersherum.

Was viele nicht wissen ist, dass im Grundgesetz Artikel 6 nicht die Ehe zwischen Mann und Frau geregelt ist, sondern nur die Ehe. Mit einem bestimmten Zweck und mit wichtigem Schutz! Als das Grundgesetz formuliert wurde, war es noch verboten, sich in der Öffentlichkeit als Schwuler oder als Lesbe zu zeigen. Ergo: damals ging man von anderen Selbstverständlichkeiten aus, die heute – Gott sei Dank – überholt sind. Zur angeblich homogenen Masse der CDU merke ich an, dass mir bei einigen persönlichen Gesprächen mit CDU-Mitgliedern und (ehemaligen?) -Wählern eine verbreitete Resignation gegenüber der Sturheit und Arroganz einiger konservativen CDU-Politiker(innen) auffällt. Diese persönliche Einschätzung von mir und die Tatsache, dass sich bekannte CDU-Mitglieder schon lange für die sogenannte Homoehe einsetzen, sprechen für sich.

Zum Thema christliche Grundsätze: Ich finde es schlimm, wenn sich Christen anmaßen, Regeln aus der Bibel ableiten zu können und diese als Wahrheit oder bindend für alle festzementieren wollen. Schon die Jünger Jesu haben sich gerne und oft gestritten, obwohl sie Jesus bei sich hatten. Es ist normal, wenn man sich auseinandersetzt, aber es hat noch nie weitergeholfen, wenn man das eigene Glaubensverständnis durchpauken wollte. Die Gesellschaft hat von der Homoehe wesentlich mehr Nutzen als von prügelnden, vernachlässigenden und anderweitig überforderten Eltern. Kinder von klassischen Familien können genauso traumatisiert werden wie andere. Warum kosten uns angeblich nur Homoehen Milliarden? So ein Unsinn!

Eine Ehe von Schwulen und Lesben mag uns fremd sein, beeinflusst jedoch in keiner Weise unser eigenes Leben. Warum rennen unsere Glaubens- und Moralhüter so dagegen an? Was wollen sie schützen, was wollen sie erreichen? Warum der Neid? Soll jetzt wieder Gott dafür herhalten? Hier verweise ich in aller Kürze auf den Unterschied zwischen einer Ehe und den oft bemühten Bibelstellen. Nur modern zu sein ist sicher nicht hilfreich. Aber alte Werte hochzuhalten, weil „das immer schon so war“, eben auch nicht. Ich freue mich, dass sich etwas tut im Land!

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