Leserbriefe

Erhalten? - Erneuern?

19.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. „Am guten Alten in Treue halten – am kräftigen Neuen sich stärken und freuen“ meinte einst der alte Goethe. Will sagen: alles Alte erhalten ist ebenso unsinnig wie es unsinnig ist, alles Alte zu verwerfen. Aber was nun im Einzelfall richtig ist, Erhalten oder Erneuern, das muss immer wieder je neu entschieden werden. Das gilt im Städtebau wie im Privaten – und das war doch nie anders. Und immer ist das eine schwierige Entscheidung, denn es gibt oft für beides, fürs Erhalten und fürs Erneuern, gute Gründe.

Genauso ist es mit dem Hölderlinhaus. Einigkeit besteht ja wohl weitgehend darin, dass das Haus im gegenwärtigen Zustand nicht für moderne Zwecke nutzbar ist – ein innerlicher Umbau kaum sinnvoll sein kann. Also: ein größerer Neubau. Wie der dann aussehen soll, darüber kann man wieder verschiedener Meinung sein. Klar.

Die einen sehen das so, die anderen anders. Darüber muss gesprochen werden, die Gesichtspunkte müssen ausgetauscht werden. Aber dann muss das dafür zuständige Gremium eine Entscheidung fällen. Und immer wird die eine Seite die Entscheidung gut, die andere sie falsch finden. Und zum demokratischen Stil gehört es, dass die unterlegene Seite das frustrierte Gefühl in sich bekämpft: „Hier bei uns läuft alles falsch!“ Es kann schließlich nur eine Seite gewinnen. Und nicht immer hat die Seite, die sich nicht durchsetzen konnte, die bessere Antwort gehabt.

Eine Demokratie geht kaputt, wenn ein jeder davon überzeugt ist, dass das System nichts taugt, wenn seine Meinung nicht durchgedrungen ist.

Ich unterrichte im Hölderlinhaus und bin der Überzeugung, da muss sich was gründlich ändern, wenn die Volkshochschule modern bleiben will. Und dass der berechtigte Bedarf der VHS größer ist, als es der gegenwärtige Raum zulässt, ist mir deutlich. Also: ein vergrößerter Neubau erscheint mir notwendig. Dass dann auch im Außenbereich nicht alles beim Alten bleiben kann, erscheint mir nicht unbedingt erfreulich, aber doch irgendwie erträglich. Etwas an Rationalität ist schon vonnöten.

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