Leserbriefe

Elser und Wagner nicht gleichstellen

25.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Karl Hummel, Frickenhausen-Linsenhofen. Zum Artikel „Georg Elser würde sich im Grab umdrehen“ vom 12. November. Die Verleihung des Georg-Elser-Preises an Dietrich Wagner ist für mich wie ein Schlag aufs Auge. Dadurch wird Wagner als Demonstrant gegen eine in zwanzig Jahren von Fachleuten geplante und genehmigte Baumaßnahme gleichgestellt mit der Heldentat des Georg Elser. Bei dieser Bewertung müssten alle Demonstranten mit diesem Preis ausgezeichnet werden. Sie hatten nur das Glück, nicht verletzt zu werden. Ich bedaure es, dass Wagners Augenlicht beschädigt wurde. Aber vergleichbar mit der Heldentat des Georg Elser ist es nicht.

Wer war Elser? Für die, die es nicht wissen: Schon im Herbst 1938 nahm sich Elser vor, Hitler zu töten. Dieser Schreiner aus Königsbronn erkannte damals schon, dass es Krieg gibt, wenn Hitler an der Macht bleibt. Er wusste, dass Hitler am 8. November im Münchener Hofbräuhaus jedes Jahr eine Rede zum Putschversuch in München am 9. November 1923 hielt. Elser ließ sich abends im Bürgerbräu einschließen und meißelte in wochenlanger Arbeit einen Hohlraum in eine tragende Säule des Versammlungssaales, der nicht bewacht war, um die von ihm gefertigte Sprengbombe zu verstecken. Die Bombe explodierte am 8. November 1939 planmäßig. Aber Hitler verließ unerwartet wenige Minuten vor der Explosion den Saal und entkam dem Anschlag. Wir von der Hitlerjugend haben den Anschlag auf „unseren Führer“ damals als Verbrechen gewertet. Heute denken wir anders darüber. Leider nicht alle!

Elser war unerkannt geblieben. Er wurde aber beim Versuch, in die Schweiz zu flüchten, von Zollbeamten kontrolliert und nur wegen der Werkzeuge in seiner Tasche festgenommen. Er gestand nach langem Verhör die Tat und kam nach Dachau ins KZ. Dort wurde er am 9. April 1945 erschossen. Er hat sein Leben für den Frieden eingesetzt. Leider vergeblich. 60 Millionen Menschen starben durch diesen Krieg.

Deshalb kann der Demonstrant Wagner nicht gleichgestellt werden mit Georg Elser. Wenn er aber weiterkämpfen will gegen Missstände und Korruption, bin ich auf seiner Seite. Auch dass die Volksbefragung politischer Unsinn ist, stimme ich ihm zu. Wie kann ein Einwohner von Blasiwald im hintersten Schwarzwald wissen, ob das Bauvorhaben in Stuttgart richtig oder falsch ist? Ohne Kenntnis des Sachverhaltes ist keine Beurteilung möglich.

1955 wurde gegen die Aufstellung der Bundeswehr demonstriert. In den Siebzigerjahren gegen die Lagerung von Atomwaffen in Deutschland. Dann gegen die Verlängerung der Start- und Landebahn am Flughafen sowie gegen die Neue Messe. Was wäre wenn? Darüber sollten die Gegner von Stuttgart 21 nachdenken. Ich bin überzeugt, dass das Bauvorhaben Stuttgart 21 auf lange Sicht richtig ist.

Leserbriefe

Ist Utopie auch am Neckar erlaubt?

Dorothea Röcker, Nürtingen. Zum Artikel „Infoveranstaltung zur Gartenschau“ vom 2. November. Eine Landesgartenschau ist ein zukunftsweisendes Projekt und muss deshalb ganzheitlich gedacht werden, wenn sie Entwicklungsprozesse in Gang setzen soll. Das Thema „Grüne Stadt am Fluss“ war schon immer…

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