Leserbriefe

Ein Bärendienst für die Nation

08.06.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „SPD rechnet mit Abweichlern bei der Bundespräsidenten-Wahl“ vom 5. Juni. Dass ein Ministerpräsident den unlösbaren Verteilungskrieg vor leeren Kassen satt hat, wird Christian Wulff sicher nicht übelgenommen. Im Gegensatz dazu kann man sich als Staatsoberhaupt je nach Bedarf engagieren oder zurücklehnen. Wenn man darüber hinaus brav abnickt, was eine Merkelküche an immer bereits abgelaufenen Fastfoodvarianten fürs Volk auf den Tisch bringt, dann gibt es dafür wahrscheinlich auch noch Fleißbildchen. Gelb-Schwarz hält seinen Anspruchswillen sichtbar in die Koalitionsstirnen geritzt – was mangels echten Köpfen inzwischen dringend ihrer Ergänzung bedarf. Zur Stützung des wackeligen Koalitionsgefüges darf es gelegenheitsbedingt auch ein artgerechter Präsident sein.

Nun – ihm, dem Wähler, schmeckt die Kost aus Merkels Küche so recht nicht mehr, auch wenn zum Beispiel ein Philipp Rösler mit fettärmeren Fastfoodkreationen neue Bekömmlichkeit signalisiert. Zur persönlichen Indikation eines berufsbezogenen Leidens hat sich der Gesundheitsbeauftragte Rösler übrigens einer Ventiltherapie unterzogen. Diagnosen zu einer jüngsten medienbelegten Reizungsauffälligkeit weichen allerdings voneinander ab. Mehrheitlich werden Gesichtsrötungen als grundsätzliches Ergebnis der Laufradanstrengung in Merkels Gesundheitsministerium gesehen. Ein so heißgelaufener jugendlicher Philipp Rösler bringt immerhin eine durchaus kritische Farbvariante ins gelb-schwarze Spiel, was selbst einen fremdbestimmten Krankenminister sympathisch werden lässt – selbst wenn die Farbgebung nur temporär ist und Pharmaindustrie sowie andere Krankheitsbegünstigte keinen Mangel darunter zu leiden haben.

Aber zurück zur parteigerechten Personalaufrüstung: Wulff ist handsome – wie die Engländer sagen würden. Er ist leise, durchaus klug, macht sicher eine gute Figur auf der klein gehaltenen Parkettfläche eines bundesdeutschen Präsidialamts – (vielleicht mit Überraschungen irgendwann, wenn das Amt verführt). Aber wünscht sich dieses Volk wirklich einen Präsidenten nach Art des Hauses Merkel? Oder wünscht es sich doch besser einen wie Joachim Gauck, einen gescheiten Unabhängigen, einen Kantigen mit gelebter, geübter Wertevorstellung (die wir alle nötig haben) – also einen Mann, der konsequente Befriedung und damit Fairness hinter Stirn und Hemd trägt?

Leserbriefe

Wir brauchen Parteien, die Mut machen

Patrik Müller, Beuren. Zum Artikel „Die DNA der früheren CDU“ vom 15. September. Frau Kosova kann man zu ihrer gelungenen Integration in Deutschland nur gratulieren. Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich eine aus Usbekistan stammende Frau mit jüdischen Wurzeln, die in…

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