Leserbriefe

Ehrliche Kritik geht anders

16.01.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Abschiebungen strenger handhaben“ vom 3. Januar. Ich staunte, als ich die zurzeit übliche Empörung darüber las, dass straffällig gewordene Asylbewerber nicht schnell und heftig genug abgeschoben werden. Eine billige Parole, die auch der Bundesinnenminister gerne von sich gibt. Aber, gibt es wirklich so viele Leute, die nicht lesen können? Zum einen: steht denn nicht oft genug in den Zeitungen, dass sehr viele straffällig gewordene Asylbewerber abgeschoben werden? Ohne Frage: oft genug zu Recht. Denn natürlich hat jemand, der als Schutzsuchender zu uns kommt, keinen generellen Freibrief. Das muss schon gelten. Aber liest man nicht auch oft genug, dass eine Abschiebung an den realen Möglichkeiten scheitert?

Was ist, wenn man das Herkunftsland nicht ausmachen kann? Was, wenn der Heimatstaat sich ganz einfach weigert, seine bösen Buben in Empfang zu nehmen? Soll man sie aus dem Flugzeug werfen? Das geht ja wohl dann doch nicht. Das sind – mit ein paar weiteren Gründen, die durchaus verständlich sind – bekannte Tatsachen, wenn man lesen kann. Dafür kann man doch unseren Staat nicht in Haftung nehmen – oder nur, wenn man wider besseres Wissen gegen den eigenen Staat hetzen will.

Es klingt so einfach: „Abschieben!“ Aber so einfach, wie es klingt, ist genau das nun mal nicht. Das sollte man doch allgemein zur Kenntnis nehmen können und nicht ständig auf den eigenen Staat eindreschen. Ehrliche Kritik geht anders. Und dann lese ich am gleichen Tag in einer anderen Zeitung, dass Deutschland sich weigert, deutsche Staatsbürger zurückzunehmen, die für den IS gekämpft haben und von den Kurden gefangen genommen wurden und die die Kurden jetzt aus nachvollziehbaren Gründen nach Deutschland abschieben wollen. Aber genau das will Deutschland gerade nicht: „Was sollen wir mit denen?“ Ja, was nun?

Wir wollen Menschen in problematische Länder abschieben, weil wir sie loswerden wollen – aber problematische Menschen, wenn sie Deutsche sind, die wollen wir nicht aufnehmen, auch wenn sie in Syrien zum Beispiel schwere Verbrechen begangen haben. Nein! Verbrecher zu uns abschieben? Nein! Was wir von anderen fordern, das brauchen wir doch wohl nicht selber leisten! Anstand? Wo bleibt da der Mindestanstand des ordentlichen Deutschen? Es bleibt scheint’s nur eine Erklärung: der empörte, ach so ehrliche Deutsche ist halt ein konsequenter Egoist. Nicht der Verstand oder gar der Anstand zählen, sondern ausschließlich das eigene Interesse: weg mit allem Bösen! Egal wie und wo. Nun gut, „die Deutschen“ gibt es so wenig wie „die Ausländer“. Es ist eine Minderheit, um die es hier geht. Aber um die gibt es zurzeit lautstark einigen unredlichen Wirbel. Das ist nicht gut!

Leserbriefe

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