Leserbriefe

EHEC und Massentierhaltung

25.06.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Professor Dr. Thomas Richter, Neckartailfingen, Fachtierarzt für Verhaltenskunde, Zusatzbezeichnung Tierschutz. Zur Klarstellung vorab: ich werde nicht erklären, wo die E.-coli-Bakterien herkommen, die den aktuellen Ausbruch der schlimmen, teils tödlichen Erkrankungen beim Menschen verursacht haben. Im Gegensatz zu anderen Leserbriefschreibern halte ich mich lieber zurück, wenn ich von einer Sache keine Ahnung habe. Aber ich verstehe eine ganze Menge von Tierhaltung und Tierschutz und deshalb fühle ich mich durch die nun schon mehrfach – auch in Leserbriefen – veröffentlichten Spekulationen über einen Zusammenhang von „Massentierhaltung und EHEC“ zu einer Antwort provoziert.

Zunächst ist festzustellen, dass der Begriff Massentierhaltung nirgends aufgrund nachvollziehbarer Kriterien definiert ist. Sollte das Kriterium sein, dass der Tierhalter die einzelnen Tiere nicht beim Namen kennt, so ist die Wanderschäferei auf der Schwäbischen Alb mit etwa 500 Schafen pro Herde eine Massentierhaltung, und sollte das Kriterium sein, dass der größte Anteil des Futters zugekauft werden muss, dann ist meine eigene Haltung von zehn Wachteln oder die Haltung meines Nachbarn mit zwei Hühnern und zehn Enten eine Massentierhaltung.

Spannend ist auf jeden Fall die Frage, ob die heutige Rinderhaltung mehr Tierschutzprobleme bereitet als die herkömmliche. Tradition hat seit Jahrhunderten der Anbindestall. Neben der wenig tierfreundlichen Anbindung wiesen die herkömmlichen dunklen Ställe auch ein warmes und feuchtes Stallklima auf, das den Ansprüchen der Rinder in keiner Weise entspricht.

Moderne Rinderhaltung erfolgt dagegen in hellen Laufställen, die exzellent belüftet sind. Der an der hiesigen Hochschule entwickelte Nürtinger Freiluftstall hat dazu einen integrierten Laufhof, in dem die Kühe sich aussuchen können, ob sie im Regen duschen oder lieber im Trockenen sein wollen. Nebenbei bemerkt hat dieser Stall den Bauwettbewerb des Bundesministeriums und den Tierschutzpreis des Landes Baden-Württemberg gewonnen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unter dem Gesichtspunkt des Tierschutzes die moderne Rinderhaltung der traditionellen haushoch überlegen ist. Tierschutzprobleme gibt es in der Rinderhaltung natürlich trotzdem, sie darzulegen überschritte aber diesen Leserbrief. Wer sich wirklich dafür interessiert, sei darauf hingewiesen, dass im Herbst im Rahmen des Studium generale an der Nürtinger Hochschule das Thema Tierschutz behandelt wird, die Vorträge sind öffentlich.

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