Leserbriefe

E10 und die Bundesregierung

03.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dennis Mohorn, Wendlingen. Zum Artikel „Autofahrer sollen für E10-Pleite draufzahlen“ vom 27. August. Die „schlechteste Bundesregierung seit Kriegsende“ bläst mächtig die Backen auf. Sie will die Benzinkonzerne bestrafen, weil diese ihren E10-Sprit nicht verkaufen können. Als ob die Konzerne sich jemals um die Bundesregierung gekümmert hätten. Während diese Regierung und ihre Vorgänger sich stets als Hüter der freien Marktwirtschaft aufgespielt haben, hat sich bisher keiner getraut, das „Oligopol“ der großen fünf (Esso, Aral/BP, Shell, Jet und Total) zu zerschlagen und einen Wettbewerb einzuführen, der diesen Namen verdient.

Die Regierung lässt es zu, dass der Bürger (der doch in der freien Marktwirtschaft eigentlich die Wahl zwischen mehreren Produkten in unterschiedlichen Qualitäten und Preisen haben sollte) machtlos vor der Zapfsäule steht und sich von den Konzernen alberne Begründungen für immer höhere Preise anhören muss. Jetzt nehmen die Konzerne die Autofahrer quasi als Geiseln – wenn die Bundesregierung den Konzernen Strafen auferlegt, weil sie zu wenig E10-Sprit verkauft haben, so werden diese Kosten an die Autofahrer „weitergegeben“.

Zugegeben, der Nutzen des Benzins mit zehn Prozent Biospritanteil (E10) ist sehr fragwürdig. „Bei E10 ist nicht nur entscheidend, was hinten rauskommt. Beim Biosprit ist vor allem entscheidend, was zuvor hineingesteckt wurde“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Die angeblich positive Energie- und Klimabilanz des sogenannten Biosprits beruhe auf „höchst fragwürdigen Annahmen und dem Weglassen vieler negativer Nebenwirkungen“. Dr. Lötzsch (Die Linke) erklärte: „E10 ist ein Beitrag dazu, Menschen in Entwicklungsländern das tägliche Brot zu nehmen. Die Lebensmittelpreise steigen weltweit dramatisch an, weil immer mehr Agrarkonzerne ihre Ackerflächen nicht mehr für die Lebensmittelproduktion, sondern für die Herstellung von Biosprit nutzen. E10 ist auch kein Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Im Gegenteil, neue Anbauflächen führen unter anderem zur Abholzung des Regenwaldes. Rohstoffe für die Herstellung von Biosprit müssen nach Deutschland über lange Handelswege importiert werden. Mit E10 werden also keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen.“

Wenn diese Regierung tatsächlich dem Bürger einen Dienst tun will, so sollte sie überall dort regulierend einschreiten, wo wirtschaftliche Macht sich auf wenige Anbieter verteilt, egal ob das nun Mineralölkonzerne, Wasser-, Strom- und Mobilfunkanbieter oder Finanzdienstleister sind. Bei Letzteren wird uns in jeder Finanzkrise erzählt, die Politik strebe eine schärfere Kontrolle an – passiert ist fast nichts.

Leserbriefe

Hochwasserschutz in Neckartailfingen

Sebastian Kurz, Neckartailfingen. Zum Artikel „Mit höheren Einnahmen Schulden getilgt“ vom 4. Oktober. Dem Artikel habe ich entnommen, dass der Gemeinderat zum wiederholten Mal den mangelnden Hochwasserschutz in der Gemeinde Neckartailfingen kritisiert und die Verwaltung zum Handeln aufgefordert…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe