Leserbriefe

Drei Kardinalfragen zur OB-Wahl

05.10.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Sechs Kandidaten im Selbstporträt“ vom 1. Oktober. Die Darstellung der sechs OB-Kandidaten ist vorüber, Nürtingen hat die Wahl. „Wen wählen Sie denn?“, werde ich seit Tagen gefragt. Es ist aber wie beim Therapeuten: Der gibt keine Empfehlungen, nur Hilfe, die Varianten auseinanderzuhalten. Entscheiden muss man selber.

Eine Stimme, sechs Kandidaten. Wenn mir keiner davon passt, kann ich zu Hause bleiben oder einen siebten auf die Liste schreiben: kompletter Name, Wohnort, Kreuzchen. Wegbleiben ist doof. Das senkt die Wahlbeteiligung und verschiebt die Prozentzahlen der Bewerber ins Irreale. Bei einer Wahlbeteiligung von 40 Prozent reichen 6000 Wählerstimmen für die absolute Mehrheit. Das ist nur jeder fünfte Wahlberechtigte. Ein siebter Name statt Nichtwählen erhöht die Wahlbeteiligung und relativiert die Anteile der sechs Bewerber deutlicher.

Die meisten Bürger werden indessen einen der sechs Bewerber wählen. Dabei kann man sich von zweitrangigen Fragen leiten lassen, wie Alter, Beruf, Redegewandtheit, Konfession, Familienstand, Charme oder Hobbys. Besser dünken mir aber drei Kardinalfragen als Kriterien: Wem will ich für die nächsten acht Jahre die oberste Verantwortung für über 40 000 Nürtinger und ihre Stadt sowie für einen Verwaltungsapparat mit über 600 Mitarbeitern geben? Wem traue ich zu, die noch unerledigten und teilweise strittigen „Baustellen“ zufriedenstellend abzuschließen? Wem traue ich zu, die Stadt und das Leben und Schaffen in ihr weiterzuentwickeln?

Diese Fragen muss man beantworten aus dem, was man von den Bewerbern weiß. Der Amtsinhaber kann an seinen Erfolgen, aber auch an seinen Fehlern gemessen werden. Den fünf Herausforderern kann man weder Erfolge noch Fehler aufrechnen. Man muss ihr Auftreten beurteilen und die Glaubwürdigkeit dessen, was sie als Seiteneinsteiger versprechen, ankündigen und vorhaben.

Deswegen gebe ich als gewählter Bürgervertreter keine Ratschläge, unterschreibe nichts, werbe nicht, appelliere aber an die Verantwortung jedes Einzelnen, sich für unsere Stadt und deswegen für die Person zu entscheiden, der man Verwaltung und Entwicklung der Stadt anvertrauen möchte.

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