Leserbriefe

Dr. Guttenberg und die Quellenkunde

19.02.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. In den ZPG-Mitteilungen für hauswirtschaftliche, landwirtschaftliche, sozialpädagogische und pflegerische Schulen – wie etwa die Fritz-Ruoff-Schule in Nürtingen eine ist –, und zwar im Heft 1 des Jahrgangs 2007, veröffentlichte Ralf Grauer einen Überblick zu Computer-Programmen, mit denen Abschreiber enttarnt werden können. Grauer schreibt zu Beginn: Als „plagiarius“ (Seelenverkäufer) verdammte der Römer Martial im 1. Jahrhundert nach Christus seinen Dichterkollegen Fidentius. Er hatte Martial’sche Gedichte als eigene verbreitet. Die eigenen geistigen Werke seien wie freigelassene Sklaven: Wer sich ihrer bemächtige, begehe „plagium“, Menschenraub. Selbst diese Art meines Zitats und seiner Quellenangabe würde wissenschaftlichen Ansprüchen nicht ganz genügen, vor allem nicht denen einer Promotionsschrift, kurz Doktorarbeit genannt. Das weiß jeder, der sich diese Aufgabe vornimmt.

Tarnen und Täuschen ist eine Disziplin beim Militär, keine der Wissenschaft. Wer im Felde erfolgreich täuscht, kriegt einen Orden, wer die Wissenschaft täuscht, kriegt den Abschied. Der Herr von Guttenberg wird aber wissen, wie er den Kopf wieder aus der Schlinge bringt. Ob damit sein Ansehen bei der Truppe steigt, wird man nie erfahren. Sein Ansehen bei der Jugend ist aber ramponiert. Bereits Gymnasiasten, Realschüler, selbst künftige Erzieherinnen werden darauf eingeschworen, ihre Facharbeiten, Seminararbeiten und Referate mit einem kompletten Apparat zu versehen, in dem nach allen Regeln der universitären Wissenschaft zitiert wird. Wer es nicht tut und erwischt wird, erlebt sein blaues Notenwunder. Man kann darüber streiten, ob dies sinnvoll ist, wenn eine künftige Erzieherin eben mal eine Lehrprobe schriftlich vorbereiten soll, oder ob mit solch strengen Vorschriften nicht Kanonen auf Spatzen abgefeuert werden. Was aber für diese Kleinen gilt, muss in aller Konsequenz für eine politische Lichtgestalt gelten. Vor allem, wenn sich selbige unentwegt als fleischgewordene Tadellosigkeit inszeniert, ob sie nun über Afghanistan vom Himmel schwebt oder ein fränkisches Starkbierfest adelt.

Leserbriefe

Unterschlupf am Neckar?

Raul Guerreiro, Nürtingen. Die Diskussion „Hotel am Neckar ja oder nein“ wird oft unter den Aspekten von Bürgerentscheidungsrechten, Finanzen, Umwelt, Politik, geschäftlichen Interessen und so weiter geführt. Eine besondere Essenz der Sache bleibt dabei im Schatten. Ein Hotel wäre lediglich eine…

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